Montag, 25. März 2013

Singapore


Wie auf dem Hinflug machen wir einen Zwischenstopp in Singapore, nur dass wir diesmal nicht nur zwei Stunden, sondern zwei Tage und zwei Nächte bleiben. Wir kommen am späten Abend an und sind nur mental auf das äquatoriale Klima vorbereitet, unser Kreislauf ist von den hohen Temperaturen und der Luftfeuchte beeindruckt.
Mathis hat noch Hunger und wir sind froh, dass unser Hotel sehr zentral gelegen ist: Gleich neben dem Singapore River und einen Katzensprung von der zentralen Restaurant- und Flaniermeile entfernt. Wir sind überrascht, wie viel hier in der Wochenmitte auch abends um 23:00 noch los ist.

Spätestens seit dieser Erfahrung sind wir sehr begeistert von diesem kleinen Stadt- und Inselstaat. Die Einheimischen die wir kennen lernen (und das sind einige Taxifahrer, Hotelangestellte, Reiseführer, ...) sind ebenfalls begeistert.
So richtig demokratisch ist der kleine Staat zwar nicht aber wirtschaftlich eben sehr erfolgreich, sauber, sicher und sozial relativ gerecht. Und natürlich hat Singapore auch einige Superlative wie den riesigen Hafen, das weltgrößte Riesenrad, usw. zu bieten.
Der erste und langjährige Ministerpräsident Lee Kwan-Yew, der das Land auf diesen erfolgreichen Kurs eingeschworen hat, ist übrigens ein alter Kumpel von Helmut Schmidt.

Am nächsten morgen steht eine Stadtrundfahrt auf dem Programm, die hat unsere Reiseagentur ungefragt für uns organisiert und wir sind sehr skeptisch. Die Skepsis steigt, als wir eine halbe Stunde auf den Bus warten müssen (Stau!). Wie so oft hat auch diese kleine Abweichung ihr Gutes: Wir treffen Sabine und Thomas, die ebenfalls auf den Bus warten. Mit Sabine und Thomas werden wir in den nächsten zwei Tagen noch viel Zeit verbringen und die Rundfahrt gefällt uns auch überraschend gut. Der Reiseführer unterhält uns in bemerkenswert gutem Deutsch und bei der hiesigen schwülen Hitze sind wir nach jeder Außenbesichtigung froh in den klimatisierten Bus zurückzukehren.


So haben wir nach dem organisierten Besichtigungsprogramm einiges über Singapore gelernt und von der Stadt gesehen und auch eine ganz gute Orientierung für die darauffolgenden eigenen Erkundungen. Die erste führt uns (zusammen mit Thomas und Sabine) zu Gardens by the Bay, das ist ein riesiger botanischer Garten, der vor allem auch architektonisch beeindruckt. Auf dem Außengelände stehen riesige berankte und begehbare künstliche ‚Superbäume’ und das Innengelände wird durch zwei spektakuläre Dome definiert, das die internationale Architektenmafia zum Gebäude des Jahres 2012 erklärt hat.


Nicht weniger spektakulär ist das Marina Bay Sands und der Blick von dessen Aussichtsterrasse: Auf drei riesigen Gebäudesäulen ruht dort auf fast 200 Metern eine Art Schiff, das die Etagen 56 und 57 samt Restaurant, Bar und riesigem Pool bildet.


Am nächsten Tag besuchen wir wiederum zu fünft das Arts and Science Museum und das ist wieder so ein preiswürdiges Stück Architektur in Form einer Lotusblüte.


Man kann dort zwar derzeit nur eine Ausstellung The Art of the Brick besuchen, aber die gefällt dafür groß und klein: Alle Exponate sind vollständig aus einfachen LEGO®-Steinen aufgebaut.


Bis schließlich unser Flieger in der Nacht abfliegt, sitzen wir noch gemeinsam in der Hotelbar und (das aber ausnahmsweise nur zu dritt) genießen den riesigen Hotelpool. 

Und damit sind dieser schöne, lange Urlaub und der blog auch zu-ENDE.

Freitag, 22. März 2013

It's a long way from the top

Wir drehen für diesen post den Titel eines Frühwerks einer international bekannten australischen Folklorekapelle um – sonst fällt uns auch gerade nicht viel ein.

Exmouth war der nördlichste Punkt unserer Reise und seit unserem zweiten Abschied aus Coral Bay gibt es kaum wesentliche Orte entlang der Küste, die wir noch nicht auf der Hinfahrt besucht haben. Der Mangel an gespannter Vorfreude lässt die ca. 1.100 km zurück nach Perth noch etwas weiter wirken als sie auch wirklich sind.

Als wir Coral Bay dann endgültig verlassen, macht sich bei mir ziemlich schlechte Laune breit. Wir fahren am ersten Tag auch recht weit bis Kalbarri, unserem zweit liebsten Ort hier im Westen. Dort verbringen wir noch einen schönen faulen Tag und bei der Abfahrt dort ist auch Sonka traurig. Zum Glück haben alle Campingplätze auf unserer Rückreiseroute ‚jumping pillows’ was zumindest Mathis Stimmung sehr zuträglich ist.


Wir beobachten, dass die ‚grauen Nomaden’ immer weiter nach Norden vordringen, bis Ostern werden sie in großer Zahl auch Exmouth und Coral Bay bevölkern, um die dann moderaten Temperaturen zu genießen. Wir finden es wirklich erstaunlich, wie viele australische Rentner alle Immobilien verkaufen und dann für den Rest ihres Lebens mit Campmobil oder 4WD samt Anhänger durchs Land ziehen. Sie schlagen ihr Quartier dann immer gerade dort auf, wo das Klima für sie besonders angenehm ist.
Den klimatischen Wechsel erleben wir im Schnelldurchgang: Knapp südlich von Coral Bay überqueren wir den südlichen Wendekreis und verlassen hinter dem ‚tropic of capricorn’ definitionsgemäß die Tropen.


Genauso schnell wie der Baumbewuchs entlang der Strecke zunimmt, fallen auch die Temperaturen. In Jurien Bay kommen abends schon die Fleecejacken zum Einsatz und Perth erleben wir richtig herbstlich: Nachdem wir hier bei unseren zwei ersten Besuchen kaum eine Wolke gesehen haben, finden wir diesmal keine Lücke in der Wolkendecke.

Am Abflugtag wird sogar Mathis, trotz aller Vorfreude auf seine Freunde daheim, etwas wehmütig. Sonka und ich sagen uns: „Wir verlassen Australien immerhin bei  perfektem Abreisewetter“.

Sonntag, 17. März 2013

Coral Bay II

Unser Rückweg führt uns noch über das Vlaming Head Lighthouse, das nur noch einen weiten Blick über das Kap und das Riff erlaubt, ansonsten aber seine Dienste eingestellt hat. Wenn nicht bald mehr Gäste kommen, blüht dasselbe Schicksal wohl auch dem nebenliegenden Campingplatz.


Von hier aus hoffen wir noch ein paar schlüpfende Schildkröten zu beobachten, sehen aber leider nur die beeindruckend breiten Spuren der Mütter im Sand.


Auch der nächste Tag in Exmouth verläuft weitgehend ereignislos, mit mehreren Stunden im Pool aber nicht unangenehm. Das ist bei Temperaturen um 40°C eigentlich auch der einzige Ort, an dem man sein möchte.



Trotzdem sehnen wir uns danach unser geliebtes Coral Bay zum zweiten Mal zu besuchen. Inzwischen hat die australische Luftwaffe ihre Bombentests unterbrochen und wir nehmen zum Teil die offroad-Strecke. Die Strecke verläuft mit überraschenden Umleitungen zumeist auf einer schmalen Sandpiste hinter den Dünen und erlaubt immer wieder Blicke auf Meer und Riff. Die Fahrt verläuft ereignislos, wenngleich wir einige Kängurus aus ihren Schattenplätzen aufschrecken. Ein besonders großes Exemplar hat es sich fotogen neben einem ebenfalls großen Termitenhügel bequem gemacht. Als ich zum Fotografieren aussteige, bleibt der Bursche aber nicht wie üblich cool oder flieht. Stattdessen taxiert er mich kurz und baut sich dann zur Drohgebärde auf – ich trete als leichterer der Kontrahenten den Rückzug an und mache mein Foto aus der vermeintlichen Sicherheit der Autotür.


Wir hatten schon, bevor wir nach unserem ersten Besuch aus Coral Bay abgereist sind, eine weitere Schnorcheltour gebucht. Diese können wir glücklicherweise vorziehen, da wir ja schon früher als geplant zurückgekehrt sind.


Diesmal wollen wir Walhaie sehen, die wir im letzten post beschrieben haben. Die sind in diesem Jahr schon sehr früh gekommen und so haben wir richtig Glück.
Das Wetter ist dafür perfekt: Der Himmel ist blau und wolkenlos und zudem ist es praktisch windstill. Als wir dann mit unserem Boot das eigentliche Riff verlassen, spürt man dennoch ordentlichen Wellengang, aber die großen Fische benötigen eben auch angemessene Wassertiefen. An der Oberfläche sehen wir an vielen Stellen eine dicke rötliche Schicht, die von der Korallenblüte zurückgeblieben ist. Die vorherrschenden Meeresströmungen sorgen schließlich dafür, dass Plankton und Krill schön vor dem Riff kreisen und den großen Fischen nicht entwischen können. 
Die Walhaie, die zum Ningaloo Reef kommen, erreichen längst nicht die 18 Meter Länge, die Ihrer Gattung den Podestplatz im Fischreich eingebracht haben.
Wir haben dennoch doppelt Glück, zum einen sehen wir an diesem Tag gleich drei verschiedene whale sharks aus nächster Nähe und dass sie dabei ‚nur’ vier bis sechs Meter lang sind, beschert uns auch ausreichende Beobachtungszeit. Während die Walhaie müde mit der Schwanzflosse winken, können wir mit unseren Flossen bei einiger Anstrengung immerhin mithalten. Die großen Vertreter würden sicherlich mühelos wie ein Schatten an uns vorbeihuschen.


Trotz ihrer moderaten Größe, sind die Riesenfische majestätisch und mit ihrem markanten Punktmuster auch ausgesprochen hübsch anzusehen. Eine unserer Mitschnorchlerinnen gerät ungewollt einem Exemplar in die Bahn und wegen dessen beeindruckender Größe selbst in eine kleine Panik.
Wegen der vielen Kleinstlebewesen, die im Meer schwimmen, gelingen uns nur ein paar gute Fotos und Filme. Mit uns ist aber ein professioneller Fotograf im Wasser und wir freuen uns auf das Ergebnis seiner Arbeit, die DVD können wir dann aber erst zuhause ansehen.


Erst einmal gilt es sich abends zu entspannen von der anstrengen Walhai-Schnorchel-Jagd: Es ist wieder Donnerstag in Coral Bay und im Pub spielt Livemusik. Mal wieder sind alle da, also auch wir. Nach und nach findet sich die gesamte Bootscrew ein; mit der Dorflehrerin, die wir schon vom letzten Besuch kennen und die gleichzeitig auch die Fischfütterung am Nachmittag macht, halten wir ein Schwätzchen.
Mathis findet unter den vielen Kindern, die hier herumlaufen,  schnell gleichgesinnte und so verleben Sonka und ich einen besonders entspannten Abend.

Den letzten Tag in Coral Bay verbringen wir im Zeitlupentempo. Wir lesen viel, gehen mal Schnorcheln, an den Strand und zum letzten Mal zur Fischfütterung. Weil es unser letzter Tag in unserem kleinen Paradies ist und am nächsten Tag die lange Rückreise nach Perth beginnt, sind wir auch ein bisschen wehmütig.

Cape Range NP

Die Cape Range ist ein Gebirgszug, der quasi parallel zum Ningaloo Reef verläuft. Beides zusammen schützt die UNESCO als Ningaloo Coast.
Die Range allein würde man beim aktuell vorherrschenden heißen Wetter sicherlich unwirtlich, trocken und ein wenig langweilig finden, obwohl sie viele und auch seltene Tiere beherbergt sowie ein paar beeindruckende Schluchten. In Kombination mit dem vorgelagerten Riff ist die Range aber auch zu dieser Jahreszeit sehr reizvoll.

Wir entscheiden uns die Schönheit nicht nur bei Tag sondern auch bei Nacht zu erleben, und bleiben auf einem der kleinen spartanischen Campingplätze im Park. Die T-Bone campsite hat tatsächlich nur 3 Stellplätze und wir bekommen sogar einen mit viel Schatten.
Den zugehörigen Baum und die herrliche Aussicht teilen wir uns mit einer Gruppe von Kängurus – das heißt manche von ihnen nehmen Reißaus und andere werden dafür um so zutraulicher.

An so einem schönen Platz schmeckt das Frühstück gleich viel besser und auch die Schule ist ganz angenehm.

Der Park hat ein großes Visitor Center mit kleiner Ausstellung und nettem Personal - Mathis bekommt sogar einen kleinen whale shark geschenkt. Diese Walhaie sind die größten Fische der Erde, schauen hier in jedem Herbst vorbei und sind in Wirklichkeit bis zu 18 Meter länger als Mathis neues Spielzeug, dabei als Krill- und Planktonfresser aber  völlig harmlos.
Ein Grund dafür, dass die whale sharks das Ningaloo Reef aufsuchen, ist die Korallenblüte (siehe Coral Bay post), die dann Krill und andere kleine Meeresbewohner anzieht. Diese wiederum bieten den Walhaien reichliche Nahrung.

Nun, whale sharks sehen wir direkt am Strand natürlich nicht, dafür aber kleinere Haie. Unsere Campingplatz-Nachbarn haben sogar welche geangelt und Mathis hat Mitleid mit den Haien: Er sieht in ihnen weniger die blutrünstigen Bestien aus den Hollywoodfilmen, als vielmehr schützenswerte Wesen. Da die Haie aber nicht so gut schmecken, versuchen die Nachbarn (natürlich Deutsche) dem Hai den Angelhaken wieder aus dem Maul zu ziehen. Das ist gar nicht so leicht, aber sie schaffen es nach einiger Zeit ohne größere Verletzungen.

Vor allem sehen wir in Küstennähe aber andere, meist kleinere und bunte Fische und Korallen. Besonders praktisch ist das Schnorcheln dabei an der Turquoise Bay: Eine Öffnung im äußeren Riff erzeugt eine beständige Strömung, von der man sich über die Korallen treiben lassen kann. Wir schnorcheln hier bei Hochwasser, das heißt wir werden nur langsam übers Riff geschoben, haben aber dafür sehr gute Sicht und wenig Gefahr hinausgetrieben zu werden.
Aber eigentlich sind die Begriffe ‚praktisch’ oder ‚Gefahr’ nicht die ersten, die uns in den Sinn kommen, als wir Turquoise Bay sehen... In der nahegelegenen Bay versuchen wir unser Glück noch einmal und können sehr lange eine Schildkröte beim Fressen beobachten. Danach spielen wir noch am Strand „Jedi-Ritter-Kampf mit den Flossen als Laserschwerter.

 

Weil uns die Nacht auf dem kleinen Campingplatz so gut gefallen hat, sehen wir uns noch einen anderen Campingplatz am Yardie Creek an, sind aber vom letzten Platz so verwöhnt, dass wir keinen rechten Gefallen daran finden. Ich mache also fix noch eine Wanderung am Yardie Creek hinauf.



Das ist der einzige Wasserlauf im Park der niemals austrocknet und er hat eine schöne Schlucht in die rote Felslandschaft geschnitten. Die Temperatur im Schatten ist jetzt am Nachmittag sicherlich schon unter 40°C gefallen, da es hier aber keinen Schatten gibt hilft mir das wenig. Mathis und Sonka bleiben am Auto im Schatten und lesen sich gegenseitig aus ‚Der Herr der Ringe’ vor.

Dienstag, 12. März 2013

Exmouth

Den Weg nach Exmouth wollten wir eigentlich auf einen 4WD track an der Küste zurücklegen. Die königlich australische Luftwaffe macht aber entlang der Strecke gerade Bombentests und damit uns einen Strich durch die Rechnung.
Wir nehmen also die Straße und die ist vegetationsbedingt langweilig. Dass vor Exmouth viele, bis zu drei Meter hohe, rote Termitenhügel die Landschaft zieren, entschädigt auch nicht für die Küstenroute.
Mathis stört sich nicht an der Fahrerei, er liest viel: Zunächst ‚Der Hobbit’, nachdem wir in Margret River den Film gesehen hatten und inzwischen ‚Der Herr der Ringe’.


Exmouth ist quasi das touristische Zentrum des Ninagaloo Reef. Anders als in Coral Bay hat hier die Schnorchel- und Tauch-Saison aber noch nicht angefangen und die gelangweilte Dame am Besucherzentrum lässt uns wissen, dass es hier sonst auch nichts zu tun gibt.
Sicherlich liegt das daran, dass Exmouth eigentlich nur als Versorgungsstadt für den weltgrößten Niederfrequenztransmitter (eine amerikanisch-australische U-Boot-Kommunikationsstation) geplant wurde.



Außerdem muss man in Exmouth für fast alle Aktivitäten ins Auto steigen, die Stadt liegt nicht direkt am Meer und ist sogar durch eine Gebirgskette vom Riff getrennt.


Wir bleiben trotzdem für eine Nacht und freuen uns, dass das Ningaloo Caravan Resort so einen schönen und großen Pool hat. Direkt neben dem Pool gibt es ein italienisches Restaurant, das in den letzten zwei Jahren als das beste von Western Australia ausgezeichnet wurde. Die Pizza ist auch wirklich lecker, aber wir wissen aus eigener Erfahrung, dass die Auszeichnung auch einiges über die anderen italienischen Restaurants im Staat aussagt.


Einen guten und preiswerten WiFi-Zugang gibt es hier auch mal wieder. Wenn man im Exmouth Diner für 10 Dollar trinkt speist, darf man umsonst ins WWW und nebenbei noch gute Musik hören. Überraschenderweise wird das rustikale Etablissement von Verena, einer ausgewanderten Deutschen geführt, die gerne auch mal ein bisschen Deutsch spricht und ein wenig Werbung für ihr Restaurant gut gebrauchen kann.

Dafür, dass in Exmouth nichts los ist, haben wir die Zeit also gut genutzt und unser letzter Optimierungsversuch führt uns zum Friseur. Nun, die Australier sind ja in nahezu allen Situationen unkompliziert und pragmatisch. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Friseurbesuch:
Als Mann geht man ja vorzugsweise zum ‚barber’, also zum Herrenfriseur. Der barber residiert typischerweise in einer besseren Scheune, in deren Wartebereich Jagd- und Automagazine ausliegen. Er selbst ist eher ungepflegt, verlangt für seine Dienste aber auch nur ein moderates Honorar. Der Besuch beim barber ist tatsächlich sehr unkompliziert und pragmatisch – schwierig wird es erst, wenn es vor Ort keinen barber gibt.
Dann muss man zum ‚hairdresser’. In großen Städten bedienen die hairdresser vorzugsweise Frauen und Kinder, auf dem Land sind sie häufig auch für Männer die einzige Wahl und eben alles Andere als unkompliziert. Gerade als Reisender möchte man ja nur mal schnell die Haare geschnitten bekommen, aber so einfach geht das meist nicht.
Nach einer überschwänglich freundlichen Begrüßung am Empfangstresen, bei der man meist ‚darling’, ‚love’ oder ‚sweetheart’ genannt wird, folgt die Ernüchterung: Leider ist erst in der Mitte der nächsten Woche wieder ein Termin frei. Das verwundert, wenn gerade drei haidresser um die einzige Kundin kreisen. Das Ganze haben wir mehr als einmal erlebt, hatten zugegebenerweise aber auch mal das Glück einen Termin in einer Stunde zu bekommen (ohne Termin geht halt wirklich gar nichts). Wenn man es dann geschafft hat, ist der Besuch beim hairdresser eine sehr angenehme Angelegenheit. Das Ambiente ist meist angenehm, man bekommt Kaffee oder Wasser angeboten kann in Modemagazinen blättern oder sich über den Fortschritt von Herzogin Katherines Schwangerschaft informieren. Die in der Regel jungen blonden Damen sind gut gekleidet und machen ihre Sache gut. Das Ganze kostet dann natürlich auch etwas mehr als der Besuch beim barber, aber eben nur, wenn man auch einen Termin hat und den bekomme ich am Ende zum Glück doch noch...

Coral Bay

Coral Bay liegt an der Coral Coast und letzterer wäre ja auch ein schöner Name für diesen Post und würde sich gut in die andren Küstennamen einreihen. Aber Coral Bay ist soooo toll, dass es leicht einen eigenen Post füllen und dieser dann natürlich keinen anderen Namen erhalten kann. Ein Indiz für die Besonderheit von Coral Bay ist, dass wir hier unsere bereits mehr als zwei Wochen andauernde Diskussion über den Karijini Nationalpark beenden: Vermutlich ist das der spektakulärste Nationalpark in WA und ich möchte ihn unbedingt besuchen. Sonka und Mathis versuchen mir das seit geraumer Zeit auszureden, weil er eben auch 700 Kilometer abseits unserer eigentlichen Route im heißen outback liegt. Eigentlich ist meinem Kopf ja klar, dass der Standpunkt der beiden nur vernünftig ist, aber in Coral Bay gibt schließlich auch mein Herz den Widerstand auf.

Was uns an dem Örtchen so gut gefällt ist gar nicht so leicht zu beschreiben. Zunächst ist da seine Übersichtlichkeit: Es gibt nur 160 Einwohner (und einen relativ großen Teil davon kennt man nach ein paar Tagen) und praktisch nur eine Straße, das heißt wir können alles gut zu Fuß erreichen. Ansonsten gibt es zwei Campingplätze, drei Restaurants, drei Telefonzellen, vier Tourbüros (man ahnt, dass Touren aufs Riff die Hauptattraktion sind), zwei Supermärkte und einen Pub. Wenn dort Donnerstag Livemusik spielt, ist der ganze Ort auf den Beinen und vergnügt sich. Vermutlich sind die ‚locals’ zur Zeit auch besonders entspannt, die Hauptsaison beginnt erst um Ostern und bis dahin laufen die Uhren noch ihren entspannten Gang nach ‚Coral Bay time’.


Schöne Sonnenuntergänge gibt es hier natürlich auch: Beim Fotografieren traf ich auch einen Herrn mit einem feschen schwarzem Polohemd mit blauem Logo, das mich gleich mit Simon - einem Zeissianer aus Adelaide - ins Gespräch brachte.


Coral Bay ist zudem wirklich weit ab vom Schuss: Der Diesel kostet hier fast zwei Dollar und es gibt nur einen einzigen WiFi-Spot – der funktioniert aber gerade solange nicht, bis ein Techniker aus dem mehr als 1.100 km entfernten Perth wieder alles in Ordnung bringt. Und so stauen sich inzwischen vier Posts auf unserem Computer.

Außerdem trägt Coral Bay seinen Namen völlig zurecht und so findet man die ersten Korallen bereits 20 Meter vor dem herrlich weißen Strand (Bill’s Beach) direkt vor unserem Stellplatz und selbst das äußere Riff ist in Sichtweite und mit dem Kajak in 20 Minuten zu erreichen. Fische, vor allem beeindruckend große snapper, sieht man aber bereits bevor man die ersten Korallen erreicht.



Interessanterweise teilen sich die Schwimmer Bill’s Bay mit den Haien, im Süden ist der Badestrand und im Norden findet sich mit Skeleton Beach ein ‚shark sancuary’ und die größte Ansammlung von Riff- und anderen Haien im weit und breit. Kleine Exemplare kann man sogar vom Strand aus sehen (schwimmen wird dort nicht empfohlen) und zudem noch Tintenfische und Rochen.


Die ganze Unterwasserwelt gehört zum 300 Kilometer langen Ningaloo Reef, das national als Ningaloo marine park, quasi den Status eines Nationalpark besitzt und international erst seit 2011 den eines UNESCO Weltnaturerbe.

Dass das Ningaloo Reef (,Australiens größtes fringing reef’) erst seit relativ kurzer Zeit so ausgezeichnet ist, führt dazu, dass es längst nicht so überlaufen ist, wie z. B. das Great Barrier Reef. Es hat zum Glück auch nicht dessen ökologische Probleme und ist extrem gut zugänglich (‚a barrier reef without a barrier’).

In Coral Bay erlebe ich auch meinen Geburtstag. Da Einkaufsmöglichkeiten für ‚normale’ Geschenke sehr begrenzt sind, bietet sich statt dessen eine Schnorcheltour als gelungenes Präsent an.
Wir fahren mit einem kleinen Boot, also auch in kleiner Gruppe hinaus – witzigerweise ist Simon, einer der anderen Passagiere.

Als erstes schnorcheln wir mit Riffhaien an einer sogenannten ‚cleaning station’. Die Haie kreisen hier mit weit offenem Maul und lassen sich von Putzerfischen die Zähne reinigen. An uns und jeglicher Nahrungsaufnahme haben die Haie hier zum Glück keinerlei Interesse. An einer anderen Stelle schnorcheln wir über einem Mantarochen. Dieses Exemplar hat ‚nur’ 3-4 Meter Spannweite ist aber dennoch majestätisch anzuschauen und trotz seiner langsamen Bewegungen unglaublich schnell.



Schildkröten und viele, viele Fische sehen wir auch und natürlich ganz viel Korallen. Diese sind in diesen subtropischen Gewässern nur moderat bunt, bieten aber eine schier unglaubliche Vielfalt an Formen. Nahezu alle der ca. 300 Arten blühen gleichzeitig und dieses massenhafte ‚coral spawning’ wird in den nächsten Tagen erwartet.



Wir nehmen uns vor wieder zu kommen, fahren aber erst mal gen Norden...

Donnerstag, 7. März 2013

Gascoyne Coast

Der Name Gascoyne Coast ist auch wieder so einer der verwundert: Den Ort Gascoyne gibt es tatsächlich, aber er liegt nicht an der Küste, sondern im Landesinneren. An der Küste hingegen liegt Canarvon, so etwas wie die Hauptstadt dieser Küstenregion und berühmt für seine Obstplantagen. Etwas unrühmlicher ist, so sagt unser ältester Reiseführer von 2003, dass Carnavon auch bekannt ist für Straftaten, die unter Alkoholeinfluss verübt werden. Bei unserem kurzen Aufenthalt an der Strandpromenade


(neben der Hauptwasserstraße, Fascine genannt) und beim Einkaufen sehen wir diverse Aborigine-Clans und gewinnen wir den Eindruck, dass sich am Alkoholproblem hier in den letzten 10 Jahren wenig geändert hat.
Schade, denn die Stadt ist geographisch sehr bevorzugt mit einer zerklüfteten Küstenlinie und einer schönen Flussmündung ausgestattet. Angeblich gibt es am Gascoyne River immer wieder Hochwasser, im Moment ist sein beeindruckendes Flußbett aber beeindruckend trocken (unterirdisch zapfen die Obstplantagen aber anscheinend trotzdem Wasser ab).


Nördlich von Carnarvon zwischen Point Quobba und Gnarloo Homestead soll ja angeblich die einzige Gegend sein, in der outback und Küste zusammentreffen. Die felsige Küstenlinie ist auch wirklich wild und beeindruckend, hier gibt es mehrere spektakuläre blowholes (und in den letzten 40 Jahren wurden 28 Angler von king waves ins Meer gespült).



Eigentlich wollen wir ja hier eine Nacht auf einer der ‚basic campsites’ verbringen, starker Wind und Wellengang überzeugen uns aber weiter zu fahren.


Dieser Meinungswechsel beschert uns noch weitere roadhouses und die sind ja auch immer wieder interessant: Zu dieser Zeit ist in Australien Wahlkampf (hier ist Wählen Pflicht) und so lächelt uns vielerorts, und auch an den roadhouses, immer wieder Vincent Catania von Plakaten entgegen.


Eben dieser Vincent Catania ist bereits Parlamentsmitglied und hat, so lässt uns eine Plakette stolz wissen, in dieser Funktion bereits den Toilettenblock des Minilya Roadhouse eingeweiht. Also, diese roadhouses sind ja generell mehr urig als schön und die Toiletten sind dort meist nicht der hübscheste Teil und zudem in der Regel brüllend heiß, weil unklimatisiert. Da frag’ ich mich schon, ob der Beruf des Politikers in Australien noch undankbarer als in Deutschland ist und warum der gute Vincent noch mal kandidiert.


Nun, uns soll es egal sein: Wir lassen Vincent und die Toilettenblöcke hinter uns und steuern Coral Bay an...