Den Weg nach Exmouth wollten wir eigentlich auf einen 4WD track an der Küste zurücklegen. Die königlich australische Luftwaffe macht aber entlang der Strecke gerade Bombentests und damit uns einen Strich durch die Rechnung.
Wir nehmen also die Straße und die ist vegetationsbedingt langweilig. Dass vor Exmouth viele, bis zu drei Meter hohe, rote Termitenhügel die Landschaft zieren, entschädigt auch nicht für die Küstenroute.
Mathis stört sich nicht an der Fahrerei, er liest viel: Zunächst ‚Der Hobbit’, nachdem wir in Margret River den Film gesehen hatten und inzwischen ‚Der Herr der Ringe’.
Exmouth ist quasi das touristische Zentrum des Ninagaloo Reef. Anders als in Coral Bay hat hier die Schnorchel- und Tauch-Saison aber noch nicht angefangen und die gelangweilte Dame am Besucherzentrum lässt uns wissen, dass es hier sonst auch nichts zu tun gibt.
Sicherlich liegt das daran, dass Exmouth eigentlich nur als Versorgungsstadt für den weltgrößten Niederfrequenztransmitter (eine amerikanisch-australische U-Boot-Kommunikationsstation) geplant wurde.
Außerdem muss man in Exmouth für fast alle Aktivitäten ins Auto steigen, die Stadt liegt nicht direkt am Meer und ist sogar durch eine Gebirgskette vom Riff getrennt.
Wir bleiben trotzdem für eine Nacht und freuen uns, dass das Ningaloo Caravan Resort so einen schönen und großen Pool hat. Direkt neben dem Pool gibt es ein italienisches Restaurant, das in den letzten zwei Jahren als das beste von Western Australia ausgezeichnet wurde. Die Pizza ist auch wirklich lecker, aber wir wissen aus eigener Erfahrung, dass die Auszeichnung auch einiges über die anderen italienischen Restaurants im Staat aussagt.
Einen guten und preiswerten WiFi-Zugang gibt es hier auch mal wieder. Wenn man im Exmouth Diner für 10 Dollar trinkt speist, darf man umsonst ins WWW und nebenbei noch gute Musik hören. Überraschenderweise wird das rustikale Etablissement von Verena, einer ausgewanderten Deutschen geführt, die gerne auch mal ein bisschen Deutsch spricht und ein wenig Werbung für ihr Restaurant gut gebrauchen kann.
Dafür, dass in Exmouth nichts los ist, haben wir die Zeit also gut genutzt und unser letzter Optimierungsversuch führt uns zum Friseur. Nun, die Australier sind ja in nahezu allen Situationen unkompliziert und pragmatisch. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Friseurbesuch:
Als Mann geht man ja vorzugsweise zum ‚barber’, also zum Herrenfriseur. Der barber residiert typischerweise in einer besseren Scheune, in deren Wartebereich Jagd- und Automagazine ausliegen. Er selbst ist eher ungepflegt, verlangt für seine Dienste aber auch nur ein moderates Honorar. Der Besuch beim barber ist tatsächlich sehr unkompliziert und pragmatisch – schwierig wird es erst, wenn es vor Ort keinen barber gibt.
Dann muss man zum ‚hairdresser’. In großen Städten bedienen die hairdresser vorzugsweise Frauen und Kinder, auf dem Land sind sie häufig auch für Männer die einzige Wahl und eben alles Andere als unkompliziert. Gerade als Reisender möchte man ja nur mal schnell die Haare geschnitten bekommen, aber so einfach geht das meist nicht.
Nach einer überschwänglich freundlichen Begrüßung am Empfangstresen, bei der man meist ‚darling’, ‚love’ oder ‚sweetheart’ genannt wird, folgt die Ernüchterung: Leider ist erst in der Mitte der nächsten Woche wieder ein Termin frei. Das verwundert, wenn gerade drei haidresser um die einzige Kundin kreisen. Das Ganze haben wir mehr als einmal erlebt, hatten zugegebenerweise aber auch mal das Glück einen Termin in einer Stunde zu bekommen (ohne Termin geht halt wirklich gar nichts). Wenn man es dann geschafft hat, ist der Besuch beim hairdresser eine sehr angenehme Angelegenheit. Das Ambiente ist meist angenehm, man bekommt Kaffee oder Wasser angeboten kann in Modemagazinen blättern oder sich über den Fortschritt von Herzogin Katherines Schwangerschaft informieren. Die in der Regel jungen blonden Damen sind gut gekleidet und machen ihre Sache gut. Das Ganze kostet dann natürlich auch etwas mehr als der Besuch beim barber, aber eben nur, wenn man auch einen Termin hat und den bekomme ich am Ende zum Glück doch noch...




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