Die Fahrt nach Shark Bay hatten wir uns kürzer vorgestellt. Stattdessen ist sie ziemlich lang und ebenso -weilig. Die Straße verläuft weitab der Küste, ist meist schnurgerade und wird zu beiden Seiten von scheinbar endlosem Buschland gesäumt.
Im Auto ahnt man die Hitze zwar, trotzdem ist verschlägt es uns bei jedem Stop an einem der wenigen roadhouses immer wieder den Atem. An den roadhouses tanken wir den immer teurer werdenden Diesel - wir sind in dieser einsamen Gegend bemüht die Tanknadel nicht unter die Hälfte fallen zu lassen. Zusätzlich erhält man an den roadhouses auch überraschend gutes Essen, kühle Getränke und einen freundlichen Schnack.
Ungefähr die einzige Sehnswürdigkeit auf dem Weg zur Shark Bay sind die Stromatoliten im Hamelin Pool. Wir sehen hier inzwischen schon zum dritten Mal solch photosynthesierende Cyanobakterien, die neben Sauerstoff noch kleine Kalkhaufen produzieren und fangen an, an deren Seltenheit zu zweifeln. Die Gebilde im Hamelin Pool sind wohl allerdings besonders vielfältig und wir erfahren, dass in der Nähe (also weniger als 1.000 km entfernt, in der Pilbara) Fossilien solcher Stromatoliten gefunden wurden, die unglaubliche 3.500 Millionen Jahre alt sind.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir schließlich Denham, den einzigen nennenswerten Ort auf der Francois Péron Halbinsel. Das einzig Besondere an unserem Campingplatz ist, dass er der westlichste in Australien ist. Wir sind also froh ihn früh am nächsten Morgen zu verlassen, um zur Delphinfütterung nach Monkey Mia zu fahren. Zumindest versuchen wir den Campingplatz zu verlassen, bis wir einsehen, dass auch für die Autobatterie die Fahrt des letzten Tages zu anstrengend war. Die Hotline unseres Autovermieters ist zum Glück frei und obwohl Samstag ist, ist schnell Hilfe zur Stelle und eine neue Batterie eingesetzt.
Wir kommen tatsächlich gerade noch rechtzeitig zur dritten und letzten Delphinfütterung in Monkey Mia an und stellen fest, dass das Glück im Unglück war: Mit 26 Besuchern ist die Veranstaltung viel entspannter als die erste Fütterung und so kann jeder der möchte einen Delphin füttern. Mathis und Sonka füttern Nicky, eine 37 Jahre alte Delphindame, die sich schon so sehr an die Fütterungen gewöhnt hat, dass sie selten selber fischen geht und diesbezüglich auch die Ausbildung ihrer Kälber etwas vernachlässigt. Angeblich ist Nicky aber der einzige echte Problemfall unter den über 1.700 namentlich registrierten Delphinen in der Bucht.
Sonka möchte eigentlich gar nicht mehr aus Monkey Mia weg. Das ist einerseits verwunderlich, weil das Ganze eigentlich nur ein großer Campingplatz sowie ein Steg mit angrenzendem kleinen Delphinzentrum in einer heißen, trockenen Einöde ist. Andererseits ist es hier auch unglaublich entspannt, das Meer ist kristallklar, warm und voller Delphine, Dugongs, Haie und anderer Fische, Schildkröten und Seeschlangen. Da man die vielen Meerestiere nur eingeschränkt von Land aus bewundern kann, machen wir eine entspannte Kreuzfahrt mit einem Katamaran. Von Bord der Shotover sehen wir wirklich alle der oben aufgeführten Kreaturen.
Und auf dem Campingplatz bekommen wir auch endlich mal Emus vor die Linse. Was uns in freier Wildbahn nie gelingen wollte, wird ganz einfach, sobald wir den Tisch decken. Dass ich nur kurz zum Fotografieren aufgestanden bin, nutzt der Emu auch sofort, um das Apfelgehäuse zu stibitzen – eigentlich ganz praktisch so ein Emu.
Zum Gesamterlebnis in Monkey Mia tragen nicht zuletzt auch der Pool, eine hervorragende Bar und das gute Restaurant bei.
Die letztgenannten Annehmlichkeiten kann der angrenzende François Péron Nationalpark nicht bieten. Für offroad-Fetischisten ist der Park allerdings ein Mekka: Hunderte Kilometer Sandpiste, prakisch nichtexistenter Gegenverkehr und Druckluftpistolen am Parkeingang, um den Reifendruck vorher angemessen zu reduzieren.
Das Schnorcheln und Fischen soll auch ganz besonders sein, aber das können wir leider nicht persönlich beurteilen (die Warnungen über die äußerst giftigen stonefish haben uns das Wasser etwas verleidet). Die Küstenlinie ist allerdings hübsch anzusehen, vor allem dort wo türkises Wasser auf weiße Strände trifft, die dann in rote Felsen übergehen.
Das Inland hingegen ist zu dieser Jahreszeit eher eintönig: Trockene Sandhügel, auf denen soweit das Auge reicht erstaunlich grüne Büsche stehen. In der Ferne sieht man gelegentlich mal ein Känguru springen oder einen Emu stolzieren. An einigen Stellen gibt es ausgedehnte Lehmpfannen, die das Wasser nicht ablaufen, sondern nur verdunsten lassen. Hier bilden sich dann sogenannte Birridas, Salzseen, die zumeist trocken aber nicht komplett lebensfeindlich sind.
Trotzdem waren wir vielleicht die einzigen Besucher, die über Nacht blieben – wir hatten also die Qual der Wahl unter ca. 100 Stellplätzen an 5 freigegebenen Stränden. Die Wahl fiel schließlich auf die Bottle Bay und dort waren wir weit und breit allein, um den Sternenhimmel ohne den zuhause üblichen Lichtsmog zu bewundern – die einzige Lichtquelle im Umkreis von 40 km ist ein kleiner Leuchtturm.
Allein die Ausfahrt von der François Péron Halbinsel dauert 1 ½ Stunden über tiefe Sandpisten, so dass wir im Anschluss einen Kaffee verdient haben: Kaffee und Kuchen im Ocean Park in der Nähe von Denham sind prima, viel besser ist aber das zugehörige Aquarium. Wir bekommen fast die gesamte tierische Vielfalt der Shark Bay zu sehen und die zugehörigen Erklärungen interessieren sogar Mathis über eine Stunde lang. Am Ende haben wir viel über Clownfische (Nemos Verwandte), deren Symbiose mit Anemonen und ihren gelegentlichen Geschlechtswechsel gelernt. Außerdem haben wir eine Haifütterung bestaunt und inzwischen keine Angst mehr vor den zwar äußerst giftigen, aber neugierig freundlichen Seeschlangen.
Die letzte Sehenswürdigkeit in diesem Weltnaturerbe ist Shell Beach: Ein 120 Kilometer langer Strand, der bis zu 200 Meter breit und bis zu 10 Meter dick von kleinen Muscheln bedeckt ist.
Fazit: Die lange Anfahrt zur Shark Bay weit ab des Highways #1 lohnt sich wirklich!















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen