Montag, 21. Januar 2013

Yankalilla II

Die Arbeit bei unserer Gastfamilie ist relativ abwechslungsreich und teilweise sogar sehr interessant, und so arbeiten wir mehr als die 4-5 Stunden, die wir eigentlich müssten. Aber wir hatten uns ja aufs Arbeiten eingestellt und ohne Beschäftigung würde es hier auch sicherlich etwas langweilig.
Mathis findet hier ausreichend Zeit um Schule zu machen, obwohl das manchmal wirklich schwierig ist, wenn drei lebhafte Kinder in der Nähe sind, die alle gerade Sommerferien haben und praktisch von allen Pflichten befreit sind.
Wir helfen also täglich im Haushalt, meist in der Küche oder stellen mal den von uns bevorzugten Sauberkeitsgrad im Sanitärbereich her. Wenn wir kochen ist das für die Kinder immer eine willkommene Abwechslung von der sonst biologisch-dynamischen Küche. Die großen Gemüse- und Kräutergärten direkt vor der Haustür erlauben Sonka auch mal Neues auszuprobieren.


Es ist wirklich lecker, das selbst geerntete Obst und Gemüse zu essen, vor allem bei den Aprikosen fanden wir den Unterschied zu den gekauften erstaunlich.
Zur Gartenarbeit gehören auch säen, Bäume schneiden und leider auch das unvermeidliche Unkrautjäten. Nun zumindest die Hühner freuen sich über das Ergebnis: Frisches Grün statt immer nur Körner.
Die Hühner sind dann auch die Aufgabe, die sich Mathis mit Sahara teilt. Es gibt wirklich viele Hühner (inklusive 14 süßer Küken) und entsprechend viel zu tun mit Füttern, Tränken und Eier suchen. Zudem ist die Aufgabe verantwortungsvoll, schließlich versuchen die Küken gerne zu fliehen und an einem heißen Tag ist auch schon mal ein Huhn verdurstet (heiß bedeutet hier z. B. 45°C im Schatten und immer noch 28°C um 10 Uhr abends).


Interessanter als die Gartenarbeit ist aber unser Bauprojekt: Für „the Shelter“ fehlt ja noch das Badehäuschen (mit Toilette und Dusche) und das bauen wir von Grund auf komplett neu. Zunächst war Rachel von Karls Idee gar nicht begeistert, noch ein weiteres Häuschen zu bauen und vor allem noch ein „Projekt“ zu beginnen, obwohl viele andere noch nicht abgeschlossen sind. Als wir ihr schließlich versprechen nicht abzureisen, bevor das Häuschen steht, ist sie aber beruhigt.

Unser Versprechen einzuhalten erweist sich als nicht ganz einfach: Karl hat das Projekt deutlich unterschätzt, schließlich gibt es am Anfang noch nicht einmal einen Entwurf oder festgelegten Bauplatz, wir müssen ziemlich viel Material kaufen verwenden keine fertigen Komponenten sondern nur Halbzeuge. Letztlich planen, rechnen, messen, sägen, nageln, schrauben, kleben, schleifen, streichen, tackern, flexen, bohren, graben, hacken, schleppen, schweißen und nivellieren wir deutlich länger als Karls ursprünglich und äußerst optimistisch geplante 2 Arbeitstage.


Ich lerne dabei allerdings unglaublich viel über Hausbau und kann auch viele für mich neue Werkzeuge ausprobieren (und deren englische Namen lernen ;-). Die Arbeit mit Karl macht viel Spaß, er ist sehr lustig, ziemlich schlau und hat immer interessante neue Idee (die nicht alle zur Beschleunigung unseres Vorhabens beitragen). Es bleibt also spannend, ob wir vor unserer Abreise mit dem Badehäuschen fertig werden... 

Die angenehmste „Arbeit“ war bisher zweifelsohne die Kinder zum Rettungsschwimmkurs zu fahren. Dort kann man dann selbst etwas schwimmen, am Strand liegen, Delfine und das bunte Treiben am Strand beobachten und unglaublich leckeren Kuchen essen.
Hier in der Nähe gibt es wirklich viele schöne Strände und weil wir uns hier auf der Fleurieu Peninsula befinden, gibt es ruhige  Bade- und Schnorchelstrände auf der Westseite und spektakuläre Surfstrände im Osten - „going to the beach“ ist dann hier eigentlich doch unsere liebste Freizeitbeschäftigung.
Am Second Valley Beach kann man sogar von Felsklippen springen. Jarrah, Orion, Mathis und ich trauen uns das immerhin von der 7 Meter hohen Klippe.


Häufig verbringen wir unsere Freizeit aber auch einfach nur „zuhause“, hier kann man gemeinsam fernsehen (!), ganz nett wandern (das heißt hier bushwalking und wurde Sonkas Knöchel ausgerechnet am letzten Tag zum Verhängnis), Mountainbike fahren, Gitarre spielen oder einfach nur die ortsansässigen Kängurus beobachten (besonders schön ist das, beim Duschen, wenn sie direkt auf der anderen Seite des großen Fensters sitzen). Am Ende eines langen Tages ist es aber auch einfach nur schön auf der Bank der Terrasse der Sonne beim Untergehen zuzusehen.

  

Und nachdem Mathis und ich den Basketballkorb repariert und mit einem neuen Brett versehen haben und ich einen Ball gekauft habe, können wir sogar ein paar Bälle werfen – das Ganze ist dann auch so eine Art Abschiedsgeschenk von Mathis für die Kinder.


Nun, unser Toilettenhäuschen (mittlerweile auch Sanitärpalast genannt) ist am Ende leider doch nicht fertig geworden, kleinere Planungsfehler, gerechtfertigter Perfektionismus und das hügelige Gelände haben das Aufstellen ziemlich verzögert. Trotzdem stehen am Ende die Plattform und alle 4 Wände sowie der Dachstuhl (die beiden Dachhhälften sind sogar auch schon fertig) und man kann erkennen, wie schön es einmal werden wird. 


Aus gewünschten 18 Stunden und geplanten 2 Arbeitstagen wurden bisher eher 180 Stunden und über 3 Wochen (und vermutlich ist noch fast einmal soviel bis zur endgültigen Fertigstellung zu tun). Am Einsatzwillen hat es sicherlich nicht gelegen, an manchen Tagen sind wir abends einfach nur erschöpft und trotzdem treibe ich Karl zum frühen Aufstehen an. Eine der vielen sprachlichen Feinheiten die ich hier gelernt habe ist deshalb auch die zwischen contribution und commitment. This was definitely commitment!
Also, ich wäre wirklich gerne mit unserem Badehäuschen ganz fertig geworden und hätte sogar unsere Reise nach Kangaroo Island dafür abgesagt. Als uns schließlich klar wird, dass die Zeit viel zu knapp ist, sind Fähre und Unterkunft bereits gebucht und irgendwie ist das auch gut so.
Wir haben einen schönen gemeinsamen Abend beim Essen in Leonard’s Mill (nach einem halben Tag Knöchel Kühlen auf dem Sofa ist das vor allem für Sonka auch eine schöne Abwechslung).



Wie erhofft freuen wir uns nach drei Wochen an einem Ort, dem Trubel in der Großfamilie und der vielen Arbeit auch wieder auf das Reisen, Sehenswürdigkeiten und Zeit zu Dritt... 


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