Da wir ja schon drei Monate von zuhause fort sind und wir auch immer wieder gefragt wurden, ob wir schon in der deutschesten Ecke Australiens waren, fahren wir schließlich auch nach Hahndorf und ins Barossa Valley.
Langsam verlassen wir nach mehreren Stunden Fahrtzeit die beeindruckend großen und trockenen Ebenen und erreichen die Adelaide Hills. Die sind zwar auch ziemlich trocken, aber trotzdem sehr schön anzusehen. Die sanften Hügel sind im wesentlichen mit Gras oder Getreidefeldern bewachsen und zu dieser Jahreszeit goldgelb. Zunächst sind wenige einzelne Bäume darauf gesprenkelt, später auch immer öfter Hänge mit Weinreben, für die ja besonders das Barossa Valley berühmt ist.
Vorher erreichen wir jedoch Hahndorf: Die älteste deutsche Siedlung in Australien wurde von ostpreußischen Lutheranern gegründet, die hier ihre Religion frei ausüben wollten. Zum Dank, dass Ihr Kapitän nicht nur die lange und beschwerliche Überfahrt meisterte, sondern vor seiner Rückfahrt nach Deutschland auch das Weideland ausgesucht und dessen Kauf verhandelt hat, erhielt die Siedlung seinen Namen.
Das touristische Hahndorf besteht im wesentlichen aus einer Strasse, die von hübschen Geschäften, Souvenirläden und Cafes gesäumt wird, aber außer einigen Fachwerkhäusern gar nicht nach Deutschland aussieht. Als wir jedoch das Hahndorf Inn erreichen und uns eine Art Grand Prix der Volksmusik entgegenschallt, fühlen wir uns sofort wie zuhause ;-). Mathis ist sehr enttäuscht, dass es viele bayrische Sachen gibt und findet es total doof, dass man im Ausland denkt Deutschland wäre wie Bayern.
Tatsächlich essen wir am Abend auch in einem dieser Möchtegern-Hofbräuhäuser. Mathis genießt seinen Würsteteller (wir haben ihm schon gesagt, dass es ab dem nächsten Tag bei unserer Gastfamilie vegetarische Kost gibt).
Für mich gibt es zwei echte Franziskaner Weißbier und zuvor einige Diskussionen mit der Kellnerin um die richtigen Gläser: „Ja, ich glaube gerne dass dieser Krug auch einen halben Liter fasst, ich hätte aber trotzdem gerne ein Weißbierglas“. Beim zweiten Bier passen dann - nach erneuter Intervention - Inhalt und Logo auf dem Glas zusammen und die nette Kellnerin hat akzeptiert, dass das für mich ein unglaublich wichtiges kulturelles Ritual ist, bei dem es auf jedes Detail ankommt.



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