Dienstag, 29. Januar 2013

Kangaroo Island

Kangaroo Island ist die drittgrößte australische Insel und mit knapp über 4000 Bewohnern wirklich spärlich besiedelt. Wir besuchen die Insel zwar während der Hauptsaison, aber trotzdem verlieren sich die Besucher in der Weite und so bekommen wir auch noch kurzfristig eine Unterkunft im Westen der Insel – sogar mit Koala und Wallabie direkt vor der Veranda.
Fast direkt vor unserer Tür liegt der Flinders Chase Nationalpark und in dem gibt es noch viel mehr Koalas und Wallabies, daneben die obligatorischen Kängurus, viele Vögel und angeblich auch Schnabeltiere. Trotz frühen Aufstehens wollten sie sich wieder nicht so recht zeigen. Vermutlich sind die Schnabeltiere auch wirklich nur eine Legende – Säugetiere die Eier legen und einen Schnabel haben, da habe ich mir wohl einen ziemlichen Bären aufbinden lassen.


 Seehunde hingegen gibt es im Überfluss zu sehen, zudem auch vor spektakulärer Kulisse: Die Küste am Cape du Cuedic ist wild und rau. In Seals Bay hingegen gibt es einen großen Sandstrand und dort liegen Seelöwen mit ihren Babys und sonnen sich.


Sonka sieht von alledem nicht sehr viel – der Fuß ist noch immer geschwollen und das Gehen fällt ihr sehr schwer.


Zum Glück kann man die Remarkable Rocks leicht auf einem Bohlenweg erreichen, so dass Sonka die zumindest sehen kann. Das darauf Herumklettern bleibt mir und vor allem Mathis vorbehalten. Mit Mathis als Blickfang geben die Felsen in der Abendsonne auch tatsächlich ganz passable Fotomotive ab, für sich alleine sind sie irgendwie halt doch nur große Steine.


 Auf Kangaroo Island gibt es natürlich auch viel Sand: Ein paar hübsche Dünen in der Inselmitte hat man dann auch Little Sahara genannt. Am sinnvollsten verbaut man überschüssigen Sand natürlich an Stränden, so auch auf Kangaroo Island. Wir besuchen dazu vor allem die vergleichsweise geschützten und sicheren Stände. Hansons Bay (sehr hübsch) und Vivonne Bay (mit prima Wellen fürs Boogieboard) gehören zu den wenigen dieser Kategorie an der Südwestküste.



Unseren Lieblingsstrand sollten wir aber letztlich doch an der Nordküste finden. Der Weg zur Stokes Bay führt durch enge Felsspalten mit kleinen Höhlen und ist schon allein dadurch ein kleines Abenteuer. Dahinter findet sich ein breiter Sandstrand mit weiteren Felsspalten, die sich als private Strandlogen nutzen lassen. Das Wasser teilt sich hier in einen relativ ungeschützten Bereich mit beeindruckenden Wellen, von denen sich Mathis leicht 200m weit tragen lässt und in einen großen Felspool mit vielen großen und kleinen Fischen, die nur wenig Scheu vor uns Schnorchlern haben.


Nachdem wir den Westteil der Insel ausreichend erkundet haben, schlagen wir unser Quartier im vergleichsweise belebten Osten auf. Die Siedlung nennt sich American River, aber einen Fluss gibt es hier weit und breit nicht. Dafür aber eine Meerenge, an der ein paar Amerikaner einmal ein Boot gebaut haben. Uns soll’s egal sein, der Blick von unserer kleinen Terrasse ist auf jeden Fall sehr hübsch, vor allem der Sonnenaufgang mit schwarzen Schwänen.


Das Essen im Hotelrestaurant ist auch gut, zu unserer Überraschung gibt es eine deutsche Dessertkarte. Die Erklärung lässt nicht lange auf sich warten: Die hiesige Küchenchefin hat zuvor den Nachtisch in einem deutschen Sternerestaurant zubereitet. Aber auch sonst ist man auf der Insel stolz auf die heimische Küche und die lokalen Zutaten. Neben den obligatorischen Farmen gibt es hier auch mehrere Weingüter und Imkereien. Die Bienenstöcke gehen auf 200 Jahre alte Bienen aus Ligurien zurück und um die Population rein zu halten, ist sogar die Einfuhr von Honig auf die Insel bei Strafe verboten.
Auf der Insel wird sogar Salz gewonnen: Neben einem Salzsee, kann man sich gegen einen kleinen Unkostenbeitrag Salztütchen mitnehmen. Warum eigene Ernte nicht zu empfehlen ist, erfahre ich bei einem kleinen Fotoausflug auf den See...


Einen kleinen Aufreger haben wir, als Mathis am ersten Abend bemerkt, dass seine Kuscheltiere fehlen. Zum Glück hatte man sie im letzten Hotel schnell gefunden und noch glücklicher sind wir über den freundlichen Bringservice – einmal quer hin und zurück über die Insel hätte uns nämlich gut einen halben Tag und viel Benzin gekostet.


Die so gewonnene Zeit investieren wir in kleinere Ausflüge über die vielen kleinen gravel roads (auf den hier vorherrschenden ironstone rubbles fährt man ein bisschen wie auf Murmeln) und in ausgedehnte Fernsehsitzungen – am liebsten Star Trek und Australian Open. Unsere eigenen Versuche auf dem Tennisplatz sind wenig erfolgreich – das schieben wir aber einfach auf die Schläger und Bälle.

Unser letzter Tag auf Kangaroo Island ist Australia Day, wie viele Andere verbringen wir ein paar Stunden am Strand. Praktischerweise wählen wir dafür Emu Bay: Sogar mit unserem kleinen Toyota können wir hier an den Strand fahren. Sonka kann sich  einfach neben dem Auto in den Sand fallen lassen und Mathis und ich erfrischen uns im flachen Wasser.


Der Abschluss unseres Australia Day ist das Galopprennen auf der Insel. Natürlich gibt es auch hier wieder leckeres Essen von lokalen Produzenten. Manche Besucher haben sich wegen Rennen und Nationalfeiertrag hübsch in Schale geworfen. Aber das Hauptereignis ist natürlich das Rennen: Mathis und ich wetten auch, leider gehen wir beide leer aus, obwohl Mathis Gaul 2/3 des Rennens vorne liegt.

  



Montag, 21. Januar 2013

Yankalilla II

Die Arbeit bei unserer Gastfamilie ist relativ abwechslungsreich und teilweise sogar sehr interessant, und so arbeiten wir mehr als die 4-5 Stunden, die wir eigentlich müssten. Aber wir hatten uns ja aufs Arbeiten eingestellt und ohne Beschäftigung würde es hier auch sicherlich etwas langweilig.
Mathis findet hier ausreichend Zeit um Schule zu machen, obwohl das manchmal wirklich schwierig ist, wenn drei lebhafte Kinder in der Nähe sind, die alle gerade Sommerferien haben und praktisch von allen Pflichten befreit sind.
Wir helfen also täglich im Haushalt, meist in der Küche oder stellen mal den von uns bevorzugten Sauberkeitsgrad im Sanitärbereich her. Wenn wir kochen ist das für die Kinder immer eine willkommene Abwechslung von der sonst biologisch-dynamischen Küche. Die großen Gemüse- und Kräutergärten direkt vor der Haustür erlauben Sonka auch mal Neues auszuprobieren.


Es ist wirklich lecker, das selbst geerntete Obst und Gemüse zu essen, vor allem bei den Aprikosen fanden wir den Unterschied zu den gekauften erstaunlich.
Zur Gartenarbeit gehören auch säen, Bäume schneiden und leider auch das unvermeidliche Unkrautjäten. Nun zumindest die Hühner freuen sich über das Ergebnis: Frisches Grün statt immer nur Körner.
Die Hühner sind dann auch die Aufgabe, die sich Mathis mit Sahara teilt. Es gibt wirklich viele Hühner (inklusive 14 süßer Küken) und entsprechend viel zu tun mit Füttern, Tränken und Eier suchen. Zudem ist die Aufgabe verantwortungsvoll, schließlich versuchen die Küken gerne zu fliehen und an einem heißen Tag ist auch schon mal ein Huhn verdurstet (heiß bedeutet hier z. B. 45°C im Schatten und immer noch 28°C um 10 Uhr abends).


Interessanter als die Gartenarbeit ist aber unser Bauprojekt: Für „the Shelter“ fehlt ja noch das Badehäuschen (mit Toilette und Dusche) und das bauen wir von Grund auf komplett neu. Zunächst war Rachel von Karls Idee gar nicht begeistert, noch ein weiteres Häuschen zu bauen und vor allem noch ein „Projekt“ zu beginnen, obwohl viele andere noch nicht abgeschlossen sind. Als wir ihr schließlich versprechen nicht abzureisen, bevor das Häuschen steht, ist sie aber beruhigt.

Unser Versprechen einzuhalten erweist sich als nicht ganz einfach: Karl hat das Projekt deutlich unterschätzt, schließlich gibt es am Anfang noch nicht einmal einen Entwurf oder festgelegten Bauplatz, wir müssen ziemlich viel Material kaufen verwenden keine fertigen Komponenten sondern nur Halbzeuge. Letztlich planen, rechnen, messen, sägen, nageln, schrauben, kleben, schleifen, streichen, tackern, flexen, bohren, graben, hacken, schleppen, schweißen und nivellieren wir deutlich länger als Karls ursprünglich und äußerst optimistisch geplante 2 Arbeitstage.


Ich lerne dabei allerdings unglaublich viel über Hausbau und kann auch viele für mich neue Werkzeuge ausprobieren (und deren englische Namen lernen ;-). Die Arbeit mit Karl macht viel Spaß, er ist sehr lustig, ziemlich schlau und hat immer interessante neue Idee (die nicht alle zur Beschleunigung unseres Vorhabens beitragen). Es bleibt also spannend, ob wir vor unserer Abreise mit dem Badehäuschen fertig werden... 

Die angenehmste „Arbeit“ war bisher zweifelsohne die Kinder zum Rettungsschwimmkurs zu fahren. Dort kann man dann selbst etwas schwimmen, am Strand liegen, Delfine und das bunte Treiben am Strand beobachten und unglaublich leckeren Kuchen essen.
Hier in der Nähe gibt es wirklich viele schöne Strände und weil wir uns hier auf der Fleurieu Peninsula befinden, gibt es ruhige  Bade- und Schnorchelstrände auf der Westseite und spektakuläre Surfstrände im Osten - „going to the beach“ ist dann hier eigentlich doch unsere liebste Freizeitbeschäftigung.
Am Second Valley Beach kann man sogar von Felsklippen springen. Jarrah, Orion, Mathis und ich trauen uns das immerhin von der 7 Meter hohen Klippe.


Häufig verbringen wir unsere Freizeit aber auch einfach nur „zuhause“, hier kann man gemeinsam fernsehen (!), ganz nett wandern (das heißt hier bushwalking und wurde Sonkas Knöchel ausgerechnet am letzten Tag zum Verhängnis), Mountainbike fahren, Gitarre spielen oder einfach nur die ortsansässigen Kängurus beobachten (besonders schön ist das, beim Duschen, wenn sie direkt auf der anderen Seite des großen Fensters sitzen). Am Ende eines langen Tages ist es aber auch einfach nur schön auf der Bank der Terrasse der Sonne beim Untergehen zuzusehen.

  

Und nachdem Mathis und ich den Basketballkorb repariert und mit einem neuen Brett versehen haben und ich einen Ball gekauft habe, können wir sogar ein paar Bälle werfen – das Ganze ist dann auch so eine Art Abschiedsgeschenk von Mathis für die Kinder.


Nun, unser Toilettenhäuschen (mittlerweile auch Sanitärpalast genannt) ist am Ende leider doch nicht fertig geworden, kleinere Planungsfehler, gerechtfertigter Perfektionismus und das hügelige Gelände haben das Aufstellen ziemlich verzögert. Trotzdem stehen am Ende die Plattform und alle 4 Wände sowie der Dachstuhl (die beiden Dachhhälften sind sogar auch schon fertig) und man kann erkennen, wie schön es einmal werden wird. 


Aus gewünschten 18 Stunden und geplanten 2 Arbeitstagen wurden bisher eher 180 Stunden und über 3 Wochen (und vermutlich ist noch fast einmal soviel bis zur endgültigen Fertigstellung zu tun). Am Einsatzwillen hat es sicherlich nicht gelegen, an manchen Tagen sind wir abends einfach nur erschöpft und trotzdem treibe ich Karl zum frühen Aufstehen an. Eine der vielen sprachlichen Feinheiten die ich hier gelernt habe ist deshalb auch die zwischen contribution und commitment. This was definitely commitment!
Also, ich wäre wirklich gerne mit unserem Badehäuschen ganz fertig geworden und hätte sogar unsere Reise nach Kangaroo Island dafür abgesagt. Als uns schließlich klar wird, dass die Zeit viel zu knapp ist, sind Fähre und Unterkunft bereits gebucht und irgendwie ist das auch gut so.
Wir haben einen schönen gemeinsamen Abend beim Essen in Leonard’s Mill (nach einem halben Tag Knöchel Kühlen auf dem Sofa ist das vor allem für Sonka auch eine schöne Abwechslung).



Wie erhofft freuen wir uns nach drei Wochen an einem Ort, dem Trubel in der Großfamilie und der vielen Arbeit auch wieder auf das Reisen, Sehenswürdigkeiten und Zeit zu Dritt... 


Sonntag, 13. Januar 2013

Yankalilla I

Unser Nomadenleben hat mit dem neuen Jahr zunächst ein Ende, wir sind bei unserer Gastfamilie (Rachel, Karl, Jarrah, Orion & Sahara) angekommen und es kehrt Alltag ein.

Das System des WWOOFens ist ja, dass man bei der täglichen Arbeit hilft und dafür freie Kost und Logis hat. Wir hatten nach den emails im Vorfeld schon befürchtet, dass uns die angebotenen Schlafunterkünfte nicht gefallen würden. „The Shelter“, ein Studio im Busch, ist idyllisch am Hang gelegen und wird von zwei kleinen Bächen eingerahmt, es ist aber viel zu weit vom Haupthaus entfernt und hat keine Toilette. Die originale mongolische Jurte ist leider kaputt und der Wohnwagen ist uns zu muffig: Wir benutzen ihn einfach als Kleiderschrank und schlagen daneben unser Zelt auf.


Tatsächlich suchen wir das Zelt nur zum Schlafen auf und verbringen den Rest der Zeit im Haus unserer Gastfamilie oder eben in Garten oder Werkstatt.

Das Anwesen und das Haus unserer Gastfamilie sind wirklich beeindruckend. Die ca. 100 Hektar liegen erhaben auf einem Hügel und man hat deshalb eine herrliche Aussicht auf das umliegende Hügelland, das zu dieser Jahreszeit sehr trocken ist. Die Flächen sind goldgelb und dazwischen finden sich immer wieder einzeln grüne Bäume oder kleine Wäldchen. In einigen Kilometern Entfernung kann man sogar das Meer sehen. Besonders schön ist es, wenn die zumeist heißen Tage zuende gehen und der oft wolkenlose Himmel sich rot färbt. Noch etwas später, wenn auch im Haus die Lichter ausgehen (die nächsten Lichtquellen sind geschätzte 2-3 Kilometer entfernt) kann man ungestört Sterne beobachten und versteht, wie die Milchstraße zu ihrem Namen kam.

Zugegeben, die exponierte Lage hat auch eine Kehrseite: Die letzten 1,5 Kilometer Anfahrt sind etwas problematisch: Unser Mietwagen schafft die Schotterstraße auf den Hügel einfach nicht und zu Fuß ist der Aufstieg in der üblichen Hitze des Tages  eine Tortur.
Übrigens, mit der Hitze kommen auch die Fliegen, eine Plage von der wir vor der Abreise schon viel gehört, die wir in Australien aber bisher nicht erlebt hatten. Den Fliegen ist wohl auch heiß, denn sie laben sich nicht nur an unseren Schweißtropfen sondern auch gerne an Tränenflüssigkeit. Aber letztlich finden wir sie nicht so schlimm, dass wir uns einen Hut mit Fliegennetz kaufen müssten...Meistens fahren wir aber ohnehin alle zusammen weg und nehmen dazu 2 Autos. Das Stück bis zu unserem Mietwagen, der unten am Hügel parkt, legen die Kinder dann gern auf der Ladefläche des Pickup zurück, nicht nur um Platz für die Erwachsenen zu machen, es macht auch Spaß!


Das Wohnhaus, die Wirtschaftsgebäude und der Garten unserer Gastfamilie sind nach und nach komplett in Eigenarbeit entstanden. Zunächst wohnten die fünf in der oben erwähnten mongolischen Jurte und später dann in einer Scheune, die inzwischen als Werkstatt dient, bis das Wohnhaus nach drei Jahren schließlich bezugsfertig war.
Ganz fertig ist es immer noch nicht, aber wenn man von solchen Details absieht sehr schön und dabei völlig autark. Das Trinkwasser wird, vor allem im Winter, aus Niederschlägen gewonnen. Der Garten wird mit dem Abwasser und Wasser aus den zwei eigenen Bächen versorgt. Zur Stromerzeugung reichen hier ein überraschend kleines Solarpaneel und ein kleines Windrad. 
Die im Verlauf der Jahre erworbene Fähigkeit zu Improvisation und Bescheidenheit, sowie die Ablehnung deutschen Ordnungssinns ist bei unserer Gastfamilie auch heute noch deutlich ausgeprägt.


Rachel, Karl und die Kinder sind ansonsten sehr offen, gebildet und gastfreundlich. Wir verbringen praktisch den gesamten Tagesablauf mit Ihnen und werden beinahe zu Familienmitgliedern auf Zeit. Obwohl also kaum Privatsphäre bleibt, kommen wir sehr gut miteinander aus.
Wir sind beeindruckt, wie gut sich Mathis mit den Kindern angefreundet hat, die praktischerweise gerade Sommerferien haben. Es hat ca. 3 Tage gedauert, bis er angefangen hat zu sprechen – zunächst sehr bruchstückhaft, aber zunehmend auch in ganzen Sätzen. Offensichtlich kann man eine Fremdsprache auch ganz gut beim Spielen lernen, besonders praktisch sind dabei Gesellschaftsspiele, wie Monopoly oder Spiel des Lebens, die wir auch auf deutsch kennen. Nach ca. 1 ½  Wochen spricht Mathis zum ersten Mal im Schlaf Englisch...


Häufig müssen die Kinder aber auch überhaupt nicht sprechen, um sich prächtig zu verstehen...


... besonders gut klappt das mit Orion, der so alt ist wie Mathis Freunde daheim. Und wenn es mal wieder zu heiß ist, um draußen zu spielen, spielen die Kinder ohnehin viel am Computer, iPhone, usw.

Dienstag, 8. Januar 2013

Sylvester

Wir haben uns ja mit unseren Gastgebern schon lange im Voraus ausgetauscht und alle unwichtigen Details sind geklärt, sogar unsere Briefwahlunterlagen für die niedersächsische Landtagswahl sind schon bei ihnen angekommen.
Am Tag vor unserer Ankunft kommen wir dann per email zu der Frage: „Wie genau kommen wird denn von Adelaide zu Euch, nachdem wir dort unser Mietauto abgegeben haben?“
Die einfache Antwort ist: „praktisch gar nicht“: Es gibt keine Zugverbindung, der Bus fährt nur einmal am Tag und das auch nicht zu Sylvester. Also muss noch schnell ein Mietwagen gebucht werden. Wir haben ganz gut gehaushaltet, so dass uns das nicht umwirft, nur der eigentliche Vorgang des Mietens ist diesmal erstaunlich schwierig: Schließlich hatten wir schließlich um ca. 01:00 nachts Erfolg mit der Buchung und der Toyota Corolla stand tatsächlich 12 Stunden später in Adelaide bereit.

Die Fahrt nach Yankalilla, der nächst größeren Stadt, verlief ereignislos und nach einiger Zeit hatten wir auch die richtige Landstraße und das richtige Viehgatter gefunden. Doch dann kam DER HÜGEL und an dem ist unser kleines Mietauto nach wenigen Versuchen kläglich gescheitert. Wir am Ende auch beinahe, denn wir mussten noch über 1 km zu Fuß bei sengender Hitze bergan.

Oben angekommen, wurden wir von Rachel, Karl, Jarrah (13), Orion (10) und Sahara (8) willkommen geheißen und erst einmal etwas im Haus und im zentralen Teil des 100 Hektar großen Geländes herumgeführt.

Wir haben noch schnell unser Zelt aufgebaut, denn es war schon später Sylvester-Nachmittag. Die eigentliche Sylvester-Feier fand am Strand von Normanville statt. Dort gab es zunächst ein Picknick, mit einer befreundeten Familie. Die kleine Wiese war dabei so voll, dass wir sicher annehmen können, dass diese Art zu feiern typisch ist für Australien. Kurz darauf ging es zu einer kleine Parade, für die Karl im Vorfeld reichlich zynische Kommentare parat hatte. Durch die auf diese Weise abgesenkten Erwartungen war es dann eine überraschend nette Mischung zwischen Bonner Karneval und dem Umzug der Landfrauen von Varlosen.
Nach der Parade ging alles zum Strand (der dann ungefähr so voll war wie das Maschsee-Strandbad im Hochsommer), wo sich ein paar Freiwillige (das darf hier nicht jeder selbst machen) bereit erklärt hatten ein Feuerwerk zu veranstalten.


Das Ganze war dann auch deutlich vor Mitternacht zuende, wenngleich wir erst etwas später im Bett waren...
... auch wenn es etwas spät ist: Wir wünschen ein gesundes, erfolgreiches und glückliche Neues Jahr.

Vermutlich wird bei uns im Januar etwas Alltag im Kreise unserer Gastfamilie mit regelmäßigen Arbeitseinsätzen einkehren und die Beiträge werde deshalb wahrscheinlich etwas seltener...

Sonntag, 6. Januar 2013

Deutschland

Da wir ja schon drei Monate von zuhause fort sind und wir auch immer wieder gefragt wurden, ob wir schon in der deutschesten Ecke Australiens waren, fahren wir schließlich auch nach Hahndorf und ins Barossa Valley. 

Langsam verlassen wir nach mehreren Stunden Fahrtzeit die beeindruckend großen und trockenen Ebenen und erreichen die Adelaide Hills. Die sind zwar auch ziemlich trocken, aber trotzdem sehr schön anzusehen. Die sanften Hügel sind im wesentlichen mit Gras oder Getreidefeldern bewachsen und zu dieser Jahreszeit goldgelb. Zunächst sind wenige einzelne Bäume darauf gesprenkelt, später auch immer öfter Hänge mit Weinreben, für die ja besonders das Barossa Valley berühmt ist.


Vorher erreichen wir jedoch Hahndorf: Die älteste deutsche Siedlung in Australien wurde von ostpreußischen Lutheranern gegründet, die hier ihre Religion frei ausüben wollten. Zum Dank, dass Ihr Kapitän nicht nur die lange und beschwerliche Überfahrt meisterte, sondern vor seiner Rückfahrt nach Deutschland auch das Weideland ausgesucht und dessen Kauf verhandelt hat, erhielt die Siedlung seinen Namen.

Das touristische Hahndorf besteht im wesentlichen aus einer Strasse, die von hübschen Geschäften, Souvenirläden und Cafes gesäumt wird, aber außer einigen Fachwerkhäusern gar nicht nach Deutschland aussieht. Als wir jedoch das Hahndorf Inn erreichen und uns eine Art Grand Prix der Volksmusik entgegenschallt, fühlen wir uns sofort wie zuhause ;-). Mathis ist sehr enttäuscht, dass es viele bayrische Sachen gibt und findet es total doof, dass man im Ausland denkt Deutschland wäre wie Bayern.

Tatsächlich essen wir am Abend auch in einem dieser Möchtegern-Hofbräuhäuser. Mathis genießt seinen Würsteteller (wir haben ihm schon gesagt, dass es ab dem nächsten Tag bei unserer Gastfamilie vegetarische Kost gibt).
Für mich gibt es zwei echte Franziskaner Weißbier und zuvor einige Diskussionen mit der Kellnerin um die richtigen Gläser: „Ja, ich glaube gerne dass dieser Krug auch einen halben Liter fasst, ich hätte aber trotzdem gerne ein Weißbierglas“. Beim zweiten Bier passen dann - nach erneuter Intervention - Inhalt und Logo auf dem Glas zusammen und die nette Kellnerin hat akzeptiert, dass das für mich ein unglaublich wichtiges kulturelles Ritual ist, bei dem es auf jedes Detail ankommt.

Donnerstag, 3. Januar 2013

The Grampians

Mathis Geigenlehrerin hatte uns empfohlen doch in die Grampians zu fahren. Wir haben auch gerade genug Zeit und außerdem passt das ja auch zu unserem bevorzugten Küste-Berge-Küste-Schema.


Schon von Weitem sehen wir riesige Felskeile aus der ansonsten flachen Landschaft ragen und entschließen uns gleich ins Zentrum des Nationalparks – nach Halls Gap – zu fahren. Das Städtchen ist tatsächlich auch sehr nett, aber vor allem genial gelegen. Es wird von drei Seiten durch beeindruckende Bergmassive eingerahmt. Die Wahl der Unterkunft fiel uns auch leicht: Mathis entschied, dass es das Motel mit dem Tennisplatz sein muss. Als er kurz darauf auch noch den Basketballkorb entdeckte, hatten wir sportlich für die nächsten 2 Tage ausgesorgt.

Natürlich wurde zusätzlich wieder ein wenig gewandert. The Pinnacle ist, neben den sehr vielen einfach nur schönen Felsen, einer von dem aus man weit über die darunter liegenden flachen Ebenen blicken kann. Vermutlich war der Wanderweg zu kurz und zu wenig steil, aber für unseren Geschmack waren dort oben zu viele Asiaten (sorry)!


Wir haben deshalb vor dem Abstieg nur kurz Pause gemacht, was auch ganz gut passte, weil Mathis noch Bumerangs bemalen wollte. Das konnte man im hiesigen erstaunlich großen und modernen, Brambuk National Park & Cultural Centre  tun. Unsere Farben kamen aus der Vorratsflasche, aber die Motive und die Maltechnik waren Aborigine-traditionell: Mit Grashalmen werden vorzugsweise Farbpunkte zu Linien und Figuren kombiniert. Weil auf so einen großen Bumerang wirklich sehr viele Farbpunkte in der Größe eines Grashalmquerschnitts passen, hat am Ende die ganze Familie an dem Projekt gearbeitet.


Zum Abschied von den Grampians gab es noch einen schönen Sonnenuntergang am Reed Lookout (ganz ohne Asiaten, nur mit ein paar Deutschen) und die obligatorischen Wasserfälle MacKenzie Falls).


Und auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel kamen wir durch einige einsame Gegenden. Die Gelegenheit haben wir für Mathis erste Fahrstunde auf einer abgelegenen Schotterstraße genutzt (nach dem Motto: Lieber mit einem gemieteten Auto, als mit dem eigenen). Das Ganze ging auch ziemlich gut und Mathis hat es riesigen Spaß gemacht.