Freitag, 8. Februar 2013

Perth

Nachdem uns Adelaide zum Abflug mit stundenlangen Regenfällen verabschiedet hat (das ist wirklich ungewöhnlich in der trockensten Zeit im trockensten Bundesstaat) begrüßt uns Perth mit Sonnenschein und strahlend blauem, wolkenlosen Himmel (und das ist angeblich wirklich typisch für die entlegendste Metropole der Welt).


Wir finden es nach den zuletzt untypisch moderaten Temperaturen in South Australia ziemlich warm – wir können ja auch am ersten Tag noch nicht wissen, dass es in den nächsten Tagen stetig wärmer wird...

Trotzdem ist Perth eine so angenehme und schöne Stadt, dass es immerhin ¾ der 2 Millionen Einwohner des gesamten Bundesstaats Western Australia hierher zieht. Anscheinend werden es täglich mehr, denn überall wird gebaut. Die Innenstadt schmiegt sich an den Swan River, der an einer Stelle über 3 Kilometer breit wird. Wir können das alles gut vom 62 Meter hohen Mount Eliza aus bewundern und sind dort auch ganz stolz auf Sonka und ihren Knöchel (um ehrlich zu sein, war die Hitze für uns alle anstrengender als die steilen Stufen). Da wir schon einmal auf dem höchsten Punkt der Stadt angekommen sind besichtigen wir auch den nahegelegenen botanischen Garten, den Rest des riesigen Kings Park schauen wir uns vielleicht irgendwann einmal im Winter an...


Perth hat zum Glück einen wirklich guten, im Innenstadtbereich sogar kostenlosen, öffentlichen Nahverkehr, so dass unser Rückweg trotz Mittagshitze relativ unanstrengend verläuft. Aber es wird schließlich nicht wärmer als 39°C, wir haben also Glück, dass wir Perth nicht wirklich heiß erleben und es verschiedene Möglichkeiten zur Abkühlung gibt...


Eine davon ist „früh aufstehen“, am Wasser sieht man vor sieben Uhr wirklich viele Vögel, Ruderer, Paddler, Radfahrer und Jogger.


Ich finde sogar ein Cafe, das schon vor 700 öffnet: Ab 800 fängt man ja schließlich schon beim spazieren Gehen an zu schwitzen und das wird sich sicherlich auch negativ auf den Kaffeeumsatz auswirken. Die nicht ganz wenigen Jogger, die wir hier später auch in gleißender Mittagshitze sehen, hinterlassen uns fassungslos.

Eine praktische Sehenswürdigkeit ist die Perth Mint, praktisch weil sie von unserem Hotel nur einen Katzensprung entfernt ist. Diese staatliche Münzerei ist auch noch in Betrieb. Verschiedenste Sondermünzen, wie die Medaillen der Olympischen Spiele von Sydney oder eine Weltrekordmünze von einer Tonne Gewicht, werden in dieser ältesten Münzerei Australiens auch tatsächlich noch gefertigt. Ganz in der Tradition der früheren Goldsucher und Münzarbeiter gehen wir im Anschluss an die Besichtigung noch in die Bar des Grosvenor Hotel.


Am nächsten Tag geht es nach Fremantle, das ist die kleinere Schwesterstadt von Perth und quasi dessen Hochseehafen an der Mündung des Swan River. Teil des Plans ist eine kühle Brise (den Fremantle Doctor) zu erhaschen, das gelingt uns aber nicht wirklich. Sogar an Deck der Fähre, die uns den Fluss abwärts fährt ist es richtig heiß. Wegen der schönen Aussicht, der vielen schicken Jachten, der teuren Villen am Fluss und der Delphine, die neben der Fähre schwimmen, lohnt es sich aber zu schwitzen.


Natürlich ist Fremantle ein viel zu langer Name, als dass die Einheimischen ihn einfach so stehen lassen könnten – Freo klingt doch gleich viel australischer. Die Stadt ist wirklich einen Ausflug wert, sie wird durch repräsentative Bauten aus viktorianischer Zeit geschmückt, besitzt zahllose nette Cafes (am Cappuccino Strip)  und einen netten Markt mit viel Kunsthandwerk.


Das Maritime Museum gefällt uns gut: Hier ist man besonders stolz auf die Australia II, eine Jacht aus Perth, die den prestigeträchtigen America’s Cup als erstes nicht-amerikanisches Boot gewonnen hat, sowie einen einheimischen Segler, der die Erde per Segelboot und ganz alleine insgesamt fünfmal umrundet hat (davon 3x am Stück). Die zugehörigen Boote sind natürlich auch ausgestellt.
Mathis interessiert sich am meisten für die U-Boote, das betriebsbereite Seerohr im Museumsgebäude ist dabei besonders cool. Die Besichtigung eines echten U-Boots im Außenbereich des Museums muss hingegen leider ausfallen. Warum? Es ist zu heiß und der Zutritt zum Boot ist gesperrt!

Mathis hat schließlich aber den größten Spaß bei einer eigentlich durchweg langweiligen Angelegenheit. Er und Sonka müssen zum Friseur. Sonka wird in Rekordzeit abgefertigt, aber bei Mathis dauert es ca. dreimal so lang. Vielleicht auch, weil er und die Friseurin dabei ununterbrochen quatschen. Das Ganze gelingt bestimmt nicht annähernd fehlerfrei, aber das ist ja auch nicht so wichtig.

Am Abend raffen wir uns tatsächlich noch zu einem Freiluftkonzert auf. Im Garten des obersten Gerichtshofs wird Rigoletto aufgeführt. „Garten“ hört sich zwar klein an, die Veranstaltung ist in Wirklichkeit allerdings riesig, hervorragend organisiert und das unglaublich disziplinierte Publikum ist ebenfalls sehr beeindruckend. Breite Gänge und Fluchtwege sowie abgesperrte Bereiche werden auf dem Rasen trotz Platzmangel wie selbstverständlich freigelassen. Stattdessen werden der Hocker oder die Picknickdecke noch in die kleinste Lücke der freigegebenen Bereiche eingepasst. Das ist alles schon ganz schön preußisch.


 Apropos preußisch: Viele Menschen in Perth (zum Beispiel in der Touristinformation) sind auch gnadenlos effizient, so viele punktgenaue Informationen in so kurzer Zeit bekamen wir während der letzten 4 Monate noch nie. Das ist nicht nur sehr praktisch, man fühlt sich so auch gleich ein bisschen wie zuhause.

Auffallend schöne Menschen gibt es hier auch, das gilt vor allem für die Frauen, die sich zudem noch mächtig herausputzen. Vermutlich müssen sie ihre Reize auch überdeutlich zeigen, weil die Sinnesorgane vieler einheimischer Männer nur sehr eingeschränkt funktionieren dürften. Das hat natürlich keine genetischen Gründe, sondern liegt am beeindruckenden Bierkonsum – das erste Bier ersetzt auch schon mal das Frühstück und wenn die Sonne untergeht ist es noch so warm, dass die meisten noch lange nicht aufhören mögen.


Hey, Paul!

I don’t know if that sounds familiar to you or even resembles the Perth you know. But frankly, it is a shame that you are not here to show us what your home town is really like. Next time, mate…

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