Sonntag, 18. November 2012

Eden

Eden hat eine etwas unrühmliche Geschichte als Walfanghafen. Allerdings auch eine ganz interessante, die nicht zuletzt mit einer Gruppe von ungewöhnlichen Walfanghelfern verbunden ist. Orcas und menschliche Walfänger sind hier eine sehr kuriose Symbiose eingegangen: Die Orcas haben die Buckelwale in die Bucht getrieben, wo die Walfänger sie dann erlegt haben. Zum Dank durften die Orcas dann zunächst die Zungen und Lippen fressen, bevor die Walfänger dann den Rest zerlegt haben. Einem besonders treuen Helfer hat man in Eden sogar ein Museum gewidmet. Das Skelett von Old Tom ist dort ausgestellt und wenn man nicht die Abriebspuren im Gebiss des Orcas (hintere Zahnreihe)


sehen könnte, würde man nicht glauben, dass er die Boote der Walfänger am Ankertau hinausgeschleppt hat, um schneller zur Jagd zu kommen.

Zum Glück sind diese blutigen Zeiten aber schon lange vorbei und die Walflotte hat inzwischen auf whale watching umgeschult. Da wir uns inzwischen am Ende der Beobachtungssaison befinden, war das Boot nur schwach besetzt. Die Bootsfahrt haben wir dank Travacalm viel besser überstanden als manch arme Mitreisende, Mathis hat als Gallionsfigur darauf geachtet, keine der großen Wellen zu verpassen („das ist ja besser als Achterbahn“). Am Ende war der Seegang nur beim Fotografieren problematisch. Ich habe immerhin erreicht, dass weder die Kamera noch ich über Bord gingen.
Letztlich haben wir auch mehrmals das Glück eine Reihe von Buckelwalen und Orcas sehen zu können. In der Regel sind das sogar Mütter mit Ihren Kälbern, die in der tiefen Bucht von Eden eine Rast auf Ihrer langen Reise vom Ort der Geburt in arktische Gewässer machen.

Das Fotografieren hat dann auch ganz leidlich geklappt: Wal oder Orca relativ formatfüllend ins Bild zu bekommen gelang aber äußerst selten und gleichzeitig noch einen geraden Horizont zu erreichen ist eine echte Herausforderung. Leider hat den springenden Wal außer Mathis leider niemand richtig gesehen, geschweige fotografiert.

Unsere Unterkunft in Eden hat uns auch gefallen, obwohl wir uns den Garten Eden bisher immer anders vorgestellt als einen – zugegeben recht hübschen- Campingplatz. Da es im Südosten Australiens derzeit ungewöhnlich kalt und grau ist,


haben wir uns im Garden of Eden ein kleines Ferienhäuschen gemietet. So haben wir dann etwas mehr Komfort als üblich und Mathis ist ganz glücklich, dass er abends auch mal fernsehen kann oder wir uns an der Rezeption eine DVD ausleihen können. Aber das gemeinsame Tennisspielen macht noch mehr Spaß (vielleicht sollten wir nicht immer nur im Urlaub Tennis spielen, sondern uns zuhause mal von einem Trainer zeigen lassen, wie es richtig geht).
Zum Glück ist das zuvor angesprochene Wetter nur für australische Verhältnisse ungewöhnlich kalt (also eigentlich wirklich ok)


und zudem recht wechselhaft, so können wir zum Glück auch im Pool planschen.

Da wir inzwischen schon 6 Wochen unterwegs sind, mussten wir auch mal zum Frisör. Dass Frisöre Plaudertaschen sind ist anscheinend international und ich fand es ziemlich lustig, Mathis beim Gespräch mit der Friseurin zu belauschen. Seine Lieblingsfragen sind sicherlich immer noch solche, die sich mit ‚yes’ oder ‚no’ beantworten lassen, aber auch die offenen Fragen bringen ihn inzwischen nicht mehr aus der Fassung.

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