... auf geht’s in die Tasmanian Western Wilderness. Das ist ein riesiges, dünn besiedeltes Gebiet im Westen von Tasmanien und immerhin eines von weltweit nur zwei UNESCO Heritages, das immerhin 7 von 10 Kriterien erfüllt.
Der Cradle Mountain / Lake St. Clair National Park ist unser erstes Ziel in dieser Gegend. Damit der Nationalpark auch wild bleibt, dürfen nur ganz wenige Autos (50 am Tag) und keine Wohnmobile in einen kleinen Teil hineinfahren. Um vom Campingplatz trotzdem zu den Wanderungen zu kommen, wurde ein Busservice eingerichtet, der ganz prima funktioniert.
Am Visitor-Center treffen wir auf eine etwas reservierte Rangerin, die allerdings sofort auftaut, als wir zu verstehen geben, dass wir mehrere Tage bleiben und ernsthaft wandern wollen. Wir bekommen Wanderkarten und viele persönliche und hilfreiche Tips für die nächsten Tage.
Der Campingplatz ist ebenfalls sehr schön und gut auf die alpine Höhenlage eingerichtet. Das es hier nicht nur im australischen Winter empfindlich kalt werden kann, sind Aufenthaltsraum und camp kitchen mit zwei riesigen Feuerstellen ausgestattet. Das ist nicht nur urig, sondern man trifft dort auch andere Camper. In diesem Fall sind das quasi Kollegen von Sonka: 2 Lehrer aus Melbourne, die hier eine Freizeit mit Schülern verbringen und eine pensionierte Lehrerin aus Frankreich.
Man muss auch die Umgebung des Campinplatzes nicht verlassen, um Echidnas (jetzt konnte ich die Schnabeligel endlich auch fotografieren), Wallabies, Wombats und tasmanische Teufel zu beobachten. Die süßen Teufel allerdings nur in einer Zuchtstation Devils@Cradle. Hier versucht man durch Forschung und Zucht deren Aussterben zu verhindern. Nachdem die Teufel-Population seit ca. 15 Jahren durch einen tödlichen Gesichtskrebs in einigen Gebieten um dramatische 98% dezimiert wurde, fangen auch zunehmend eingeschleppte Füchse an deren ökologische Nische zu besetzen. Wir hoffen, dass die Forscher und Tierschützer Erfolg haben werden!
Noch mehr als die vielen Tiere hat uns hier allerdings die wunderschöne Natur beeindruckt. Zum Glück hatten wir auch herrlichstes Wanderwetter, dass mich kurzzeitig zu dem spontanen Gedanken verleitet hat, 6 Tage lang dem Overland track zu folgen. Am Ende hat die Vernunft gesiegt und ich habe nur jeweils Anfang und Ende des Weges, also ca. ¼ der gesamten 80 km in Tagestouren erwandert.
So führt der erste Teil über einen steilen Kletterstieg auf Marions Lookout und über eine herrliche alpine Hochebene (auf der es sogar noch ein paar Schneefelder gab).
Es gibt aber auch viele sehr familienfreundliche Wanderungen (z. B. rund um den Dove Lake), die nicht weniger schön aber weniger anstrengend sind.
Etwas befremdlich fanden wir zunächst, dass ein kilometerlanger boardwalk (hier eine Art Holzsteg) angelegt wurde. Aber so lässt sich offensichtlich gut verhindern, dass Wanderer vom Weg abschweifen und großflächig die Vegetation platt treten.
Da wir wissen, dass wir den Nationalpark noch einmal an dessen Südseite besuchen werden, fällt der Abschied leicht und wir fahren weiter gen Westen mit dem Ziel Strahan.
Wegen der kurvenreichen Straßen schaffen wir den Weg nicht an einem Tag und machen Rast in Rosebery. Da wir keine große Lust auf eine lange Stellplatzsuche haben, finden wir den etwas entlegenen aber hübschen Rastplatz bei den Montezuma Falls erst am nächsten Morgen und weil von dort die Wanderung zu den Wasserfällen drei Stunden dauert, die Mehrheit der Familie ohnehin genug vom Wandern hat und wir ja auch in den Westen wollen, sehen wir diese Fälle nur auf den Fotos der Tourismus-Broschüren.
Unser letztes Hindernis auf dem Weg nach Strahan ist Zeehan, ein ebenfalls ganz nett herausgeputztes kleines Städchen, dessen angeblich sehr lohnendes Pionier-Museum von uns ebenfalls mit Missachtung gestraft wird.
Lediglich einen kleinen Imbiss gönnen wir uns und erfahren dabei von einem Minenbauingenieur, dass hier auch heute noch im großen Stil vor allem Kupfer, Gold, Silber, Nickel und Eisen abgebaut werden. Inzwischen bekommt man den Abbau anscheinen ohne größere Umweltschäden hin, die Schäden aus der Anfangszeit des Bergbaus vor mehr als 100 Jahren sieht man aber an einigen Stellen noch immer.
So oder so ähnlich entstand wohl auch eine lokale Umweltbewegung, die vor fast genau 30 Jahren in der Nähe von Strahan einen zweiten großen Staudamm am Gordon River verhindert hat. Die Geschichte hat dann auch Strahan von einem Fischereihafen und Minendorf in ein hübsches Städchen verwandelt, in dem das Geld vor allem mit Tourismus verdient wird – wir sind stolz mithelfen zu dürfen.
Besagten Gordon River kann man auch mit einer Bootstour befahren. Standesgemäß zeigt sich uns der Regenwald auch bei durchgehend grauem Himmel und - Regen!
Die Tour ist trotzdem ziemlich schön und interessant, wir sehen sogar zwei tiger snakes (die sind höllisch giftig).
Teil der Tour ist auch eine Fahrt durch den Macquarie Harbour. Der Hafen ist flächenmäßig ca. 6 mal so groß wie der Hafen von Sydney (also 5 mal größer als riesig) und hat nur eine 80 Meter breite natürliche Hafeneinfahrt. Direkt dahinter wird das Meer richtig rauh, kein Wunder, die Wellen entlang der „roaring forties“ nehmen ja praktisch auch seit Argentinien Schwung. Entweder weil sie so tückisch für Segelschiffe ist oder Endstation für viele englische Sträflinge war, nennt man die Hafeneinfahrt Hell’s Gate.
Heutzutage hat die schmale Öffnung auch ihre Vorteile: Das Wasser in der Bucht ist herrlich warm – das gibt es auf Tasmanien sonst gar nicht. Das Wasser ist auch ziemlich braun, ob das an den Baumölen oder am Eisenerz liegt konnten wir aber nicht eindeutig klären.
Um die Tourismus-Industrie noch weiter zu fördern haben wir auch noch eine Fahrt mit der historischen West Coast Wilderness Railway unternommen. Wieder geht’s durch den Regenwald (der Bau der spektakulären Strecke muss ein unglaublicher Kraftakt gewesen sein) in ganz liebevoll restaurierten Wagons hinter einer schmucken Dampflok.
Zum letzten Mal tasmanische Natur erleben wir wieder im Cradle Mountain / Lake St. Clair National Park, diesmal an dessen Südseite. Die Verständigung ist hier gar kein Problem: Der asiatische Restaurantchef hat 30 Jahre in der Schweiz gelebt und der Ranger Frank gibt die Touren-Tips in breitem Badisch.
Das Wetter ist zum ersten Mal richtig schlecht, es fällt viel Regen und ist kalt. Ein Tag Gammeln kommt uns aber ganz gelegen und die Standheizung unsere Wohnmobils macht es uns beim Lesen, Yatzee- und Karten-Spielen auch erträglich warm.
Am nächsten Tag gibt es aber keine Ausreden mehr und obwohl das Thermometer die 6°C-Marke noch nicht erreicht hat und die Bergspitzen seit der Nacht weiß tragen, lassen wir uns vom kleinen Fährboot zum Echo-Point am Lake St. Clair bringen, von dem aus wir zum Visitor Center zurückwandern. Die etwas mehr als 10 km lange Strecke führt uns durch praktisch unberührten Regenwald (das Wetter passt und ist tatsächlich auch gar nicht mehr so schlecht) und beschert Sonka und Mathis nasse Füße und mir viele grüne Fotos.
Am nächsten Tag gibt es aber keine Ausreden mehr und obwohl das Thermometer die 6°C-Marke noch nicht erreicht hat und die Bergspitzen seit der Nacht weiß tragen, lassen wir uns vom kleinen Fährboot zum Echo-Point am Lake St. Clair bringen, von dem aus wir zum Visitor Center zurückwandern. Die etwas mehr als 10 km lange Strecke führt uns durch praktisch unberührten Regenwald (das Wetter passt und ist tatsächlich auch gar nicht mehr so schlecht) und beschert Sonka und Mathis nasse Füße und mir viele grüne Fotos.















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