Montag, 31. Dezember 2012

Halbzeit

Zur Halbzeit am 27. Dezember (die Zeit auf Bali zählen wir mit) haben wir eine Zwischenbilanz gezogen, unsere vielen Erlebnisse aufs Wesentliche reduziert,  zusammengefasst und bewertet. Hier nun die Ergebnisse:

Mathis Top 5

 

Sonkas Top 5 ½

Haralds Top 5
 

Zahlen & Fakten

·        6.200 km in 3 verschiedenen Mietwagen.
·        44 posts (18 Mathis, 26 Sonka & Harald).
·        Ca. 10.000 Fotos, davon fast die Hälfte inzwischen gelöscht.
·        2 Erkältungen, davon 
o       1 Harald,
o       1 Mathis,
o       0 Sonka (schon 1 1/2 Jahre ohne Erkältung!!!!).
·        Ca. 60 Flaschen Solo Lemonade (das ist hier längst noch nicht die leckerste Zitronenlimonade, aber trotzdem ist sie um Längen besser als alle deutschen Limos).
·        Ca. 30 Riegel Cherry Ripe (wären da nicht die 1009 kJ pro Riegel, wäre die Zahl sicherlich höher).

Samstag, 29. Dezember 2012

Great Ocean Road

Eigentlich hat ja die Great Ocean Road schon deutlich vor Lorne angefangen. Und obwohl wir schon spektakuläre Ausblicke, alte Leuchttürme und schöne Buchten gesehen haben, hatten wir bisher nichts darüber geschrieben.
Nun, auf jeden Fall geht es auch hinter Lorne mit spektakulären Ausblicken, alten Leuchttürmen und schönen Buchten weiter. Sogar auf den Abschnitten, auf denen die Great Ocean Road im Inland verläuft, ist sie in der Nachmittagssonne sehr schön anzusehen. Sobald man jedoch Meerblick hat, versteht man, warum die 235 km lange Strecke als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt gilt. Da ist’s uns auch egal, dass die Trasse um 1920 vor allem gebaut wurde, um den Kriegsheimkehrern in der Zeit der großen Depression Arbeit zu verschaffen. Und dass die Great Ocean Road deshalb als größtes Kriegsdenkmal der Welt gilt, ist bei so viel wilder Schönheit auch fast sofort wieder vergessen.

À propos „wild“ – hier sehen wir auch endlich einmal Koalas in freier Natur. John und Jeanette hatten uns dazu empfohlen am Kennet River Campground die Augen offen zu halten. Das hat uns bei unserem ersten Versuch allerdings nichts genützt: Am Heiligabend wollten wir ganz schlau sein und sind spät aufgebrochen, weil die meisten Tiere ja erst in der Dämmerung aktiv werden (Koalas werden natürlich nie wirklich aktiv, weil sie ständig „auf Eukalyptusöl“ sind). Als wir dann im Koalawald ankamen, war es aber schon fast dunkel. Die Koalas waren bestimmt da und sicherlich auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv, gesehen haben wir sie aber nicht. Am übernächsten Tag waren sie dann kaum zu verfehlen und etwas später am Cape Otway gab es fast auf jedem Eukalyptusbaum ein Dickerchen und man konnte ihnen näher kommen als in jedem Tierpark.


Beim Leuchtturm am Cape Otway gab es auch ein ganz ganz kleines Aboriginal Culture Center – bisher hatten wir trotz bester Vorsätze leider noch keines besucht. Eigentlich war es nur eine kleine Hütte mit ein paar Ausstellungsstücken und einem Betreuer. Da die Hütte aber außer uns keine anderen Besucher angelockt hat, haben wir eine Intensivbetreuung genossen und die war sehr interessant. Bisher dachten wir immer, dass alle Aborigines Nomaden waren – wenn wie in dieser Gegend reichlich Nahrung vorhanden ist, blieben die Menschen gerne sesshaft, haben robuste Hütten gebaut und regen Handel mit anderen Stämmen getrieben. Zum Glück bekam Mathis aber nicht nur interessante Fakten zu hören, sondern auch eine Unterrichtseinheit im Didgeridoo spielen.

Gegen Nachmittag näherten wir uns den Zwölf Aposteln, diese 11 (!!!) küstennahen Sandsteinfelsen sind DIE Hauptsehenswürdigkeit an der Great Ocean Road. Also, sie sind wirklich schön und deshalb sind auch ein paar Besucher mehr vor Ort, als wir zu unserem Glück bräuchten.


Zum Glück haben wir genug Zeit auf unserer Reise und suchen uns eine Unterkunft in der Nähe, so können wir einfach noch zwei weitere Male bei den Zwölf Aposteln vorbei fahren. Spät am Abend ist es noch immer ziemlich voll: Duzende anderer Amateurfotografen warten ebenfalls vergeblich auf den perfekten Sonnenuntergang. Aber am frühen Vormittag des nächsten Tages ist’s erfreulich leer und schön.


Ein praktischer Hinweis am Rande: In der Nähe der Zwölf Apostel liegen Princetown und Port Campbell. Princetown war die erste, aber (wie wir am darauf folgenden Tag herausfanden) nicht die beste Wahl. Also irgendwie ist Princetown zwar ein ganz uriges Nest: Ein Motel mit Restaurant und Bar, ein Laden mit Zapfsäule und 2 Campingplätze, aber Port Campbell ist einfach deutlich netter: Schön an einer kleinen Bucht gelegen, bietet hat es viele nette Unterkünfte, hübsche Cafes und Restaurants und auch mehr als eine Zapfsäule: Die Tankstelle war mit unzähligen Kennzeichen aus aller Welt geschmückt und der witzige Tankwart (Australias most wanted) kannte auch alle deutschen Städtenamen, die dazu gehören. Er war zwar noch nie in Deutschland, aber vor kurzem auf Mare_TV zu sehen.

Weiter in Richtung Westen gibt es an der Great Ocean Road  übrigens noch viele andere schöne Felsformationen, Grotten und Buchten. Loch Ard Cove fanden wir besonders schön. Mathis und ich konnten dort eine geräumige Höhle (rechts im Bild) erkunden und Sonka hat uns kurz darauf erklärt, dass die Höhle den 2 einzigen Überlebenden eines Schiffsunglücks (die anderen 52 Passagiere der Loch Ard kamen ums Leben) als Zuflucht gedient hatte.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Lorne - Xmas

Lorne (an der Great Ocean Road) ist unser Weihnachtsquartier.


Hier haben wir ein richtig nobles Apartment  in einer Anlage mit Tennisplätzen und Schwimmhalle und.. und.. und wir haben hier natürlich auch den Chistmas lunch gebucht.
Aber zunächst mal steht Mathis Geburtstag an. Wie immer wacht er sehr früh auf und öffnet gleich seine Geschenke. Dieses Mal sind es zwei: Eine Ice-Watch, die er sich sehr gewünscht und in Sydney selbst mit ausgesucht hat, und ein Polo-Shirt der Geelong Grammar School von den Robsons. Beide Geschenke treffen voll ins Schwarze.


Dann darf er sich für den Tag wünschen, was er möchte und es wird auch erfüllt: 1. Tennis spielen, 2. Strand, 3. Schwimmhalle, 4. Tennis und abends einen Film sehen. Am Ende des Tages sagte er, dass das fast so gut war wie die Feier mit seinen Freunden. Da sind wir aber stolz!
Am 24. ist hier eigentlich nichts so richtig mit Weihnachten, Ich würde ja gern abends Christmas Carols in der Kirche singen gehen, aber die beiden Männer sind zu faul. So verbringen wir den Tag wieder mit Strand-Tennis-Schwimmbad-Tennis....
Am 25. ist das anders: Zum richtigen englischen Weihnachten gehört der Christmas lunch mit Chistmas crackern (große Knallbonbons, die einen „funny hat“ und einen Witz enthalten). Wir haben schon welche gekauft und fangen gleich beim Frühstück damit an. Vorher gibt es aber die Geschenke, die Santa nicht durch den Kamin, sondern durch die offene Balkontür gebracht hat. Wie zu Hause wird erst mal aufgebaut. Dieses Mal nicht Lego. sondern eine Murmelbahn.
Um 12.00 Uhr gehen wir (pünktlich, weil wir ja deutsch sind) zum Lunch. Es ist tatsächlich ein tolles Buffet, mit allem was dazu gehört (natürlich auch Pute und Christmas pudding) und wir essen bis halb drei. Unterbrochen wird unser Essen durch weitere Christmas cracker (Mathis darf sich zum Ende die restlichen vom Buffet nehmen) und Stadt-Land-Fluss spielen.


Danach machen wir einen Strandspaziergang und schließlich Tennis-Schwimmhalle-Tennis- Jonglieren auf dem Rasen..... Blog schreiben.... Eben alles, was man nach einem opulenten Essen noch schafft.

P. S.: Nach den Fotos mit den funny hats nun auch noch einen der Witze aus den Chrismas crackers:

Q.: Why did the boy take his piggy bank outside?

A.: He heard there was to be cange in the weather!

Phillip Island

Nach unserem Rückflug von Tasmanien fahren wir noch einmal bei den Robsons vorbei, um die Sachen abzuholen, die wir auf Tasmanien nicht brauchten und deshalb dort deponiert hatten (z. B. die Weihnachtsgeschenke). Eigentlich wollen wir ja nach Westen, um entlang der Great Ocean Road in Richtung Adelaide zu fahren. Allerdings haben wir schon aus Deutschland für die nächsten 2 Nächte ein Ferienhäuschen auf Phillip Island gemietet und das liegt eigentlich in der falschen Richtung. Also quälen wir uns zunächst durch den Stadtverkehr von Melbourne, bis es nach 2 Stunden wieder zügiger vorangeht und wir der Küste immer näher kommen.


Unsere Unterkunft auf Phillip Island ist sehr nett: Ein kleines Cottage in familiärer Umgebung. Auf der Insel geht so kurz vor Weihnachten gerade die Nebensaison zuende, das Wetter ist schon angenehm warm, aber die Suche nach einem Restaurant gar nicht sooo einfach.

Die Hauptattraktion auf der Insel ist die Pinguinparade, bei der man Hunderte von Zwergpinguinen dabei beobachten kann, wie sie nach einem langen Tag im Meer über den Strand watscheln, ihre Nisthöhlen und die davor wartenden hungrigen Küken suchen. Das Ganze ist wirklich niedlich und sehr interessant, aber auch ziemlich durchorganisiert (man sitzt auf wirklich großen Tribünen mit Strandblick) und für unseren Geschmack zu kommerziell (angeblich kommt jeglicher Gewinn den Pinguinen zugute). Man wird gebeten sich 1 ½ Stunden vor der Ankunft der Pinguine einzufinden, die unvermeidlich aufkommende Langeweile kann man sich dann im Souvenirshop und mit Snacks vertreiben oder man kann Fotos kaufen – selbst darf man keine machen L.

Nach den kalten polaren Strömungen um Tasmanien ist Mathis froh, einmal wieder ins Meer zu können. Beim 2 1/2 –stündigen Surfen ist aber der Nassanzug dennoch unverzichtbar. Zunächst ist Mathis ziemlich unzufrieden mit den Wellen, dem board und vor allem sich selbst, schließlich geht es aber immer besser und wir haben wie so oft etwas Mühe ihn aus dem Wasser zu bekommen.


Eine nette Vater-Sohn-Aktivität erleben wir noch am Phillip Island Circuit. Im Wesentlichen ist das eine Motorrad-Rennstrecke (immer im Oktober findet hier ein Rennen der Königsklasse Moto GP statt). Den Kurs hat man im kleineren Maßstab als Kart-Strecke nachgebaut und die Strecke ist fast immer im Betrieb: Leider darf man erst ab 12 Jahren alleine fahren. Bei anderen Aktivitäten haben wir ja gerne mal mit Mathis Alter gemogelt, aber hier gehen wir lieber auf Nummer sicher und buchen eine Fahrt in einem Tandem-Kart. Es ist allerdings gar nicht so leicht ein Kart zu finden, in dem Mathis auch wirklich auf den Beifahrersitz passt. Am Ende gelingt es zum Glück und wir haben viel Spaß.

Freitag, 21. Dezember 2012

Hobart

Nach 3 Wochen auf Tasmanien steuern wir wieder Hobart an, bisher haben wir die Hauptstadt ja nur von oben gesehen (aus dem Flugzeug und vom Mt. Wellington).

Da es in Hobart ohnehin keine schönen Campingplätze gibt, stellen wir uns 30 km vor der Stadt in New Norfolk, auf ein riesiges kommunales Sportfeld, auf dem Mathis und ich uns erst einmal etwas austoben. Plötzlich werden wir zu unserer Verwunderung mit einem eindeutig deutschen „Hallo!“ begrüßt. Ein deutsches Paar hat offensichtlich denselben Stellplatz ausgesucht: Wir plaudern ein wenig, sind uns sympathisch und verbringen einen kurzweiligen Spielabend mit Chris und Christin.
Weil Christin viele lustige Geschichten erzählen kann und auch Mathis schön beim Spielen bemuttert, wird es doch halb eins.


Hobart hat einen schönen und noch intakten Fischereihafen und das älteste Viertel „Battery Point“ lädt mit netten Häuschen aus der Gründerzeit, der hiesigen Gründerzeit um 1850, zum Spazieren ein. Ein Mittagessen am Salamanca Market rundet diesen ersten Tag ab. Nachdem wir am nächsten Tag unser tapferes Wohnmobil abgegeben haben, das uns immerhin über 1600 km gut transportiert und manche kalte Nacht warmgehalten hat, schauen wir uns noch mal das Shoppingviertel von Hobart an. Auch hier gibt es nette Cafes und Restaurants, unter anderem ein Fischrestaurant  mit der Atmosphäre eines Bahnhofscafes, aber hervorragendem Essen. Wir müssten eigentlich früh ins Bett, weil wir um halb fünf aufstehen müssen, aber es wird doch wieder zu spät.



Dienstag, 18. Dezember 2012

Tassie II

... auf geht’s in die Tasmanian Western Wilderness. Das ist ein riesiges, dünn besiedeltes Gebiet im Westen von Tasmanien und immerhin eines von weltweit nur zwei UNESCO Heritages, das immerhin 7 von 10 Kriterien erfüllt.

Der Cradle Mountain / Lake St. Clair National Park ist unser erstes Ziel in dieser Gegend. Damit der Nationalpark auch wild bleibt, dürfen nur ganz wenige Autos (50 am Tag) und keine Wohnmobile in einen kleinen Teil hineinfahren. Um vom Campingplatz trotzdem zu den Wanderungen zu kommen, wurde ein Busservice eingerichtet, der ganz prima funktioniert.
Am Visitor-Center treffen wir auf eine etwas reservierte Rangerin, die allerdings sofort auftaut, als wir zu verstehen geben, dass wir mehrere Tage bleiben und ernsthaft wandern wollen. Wir bekommen Wanderkarten und viele persönliche und hilfreiche Tips für die nächsten Tage.
Der Campingplatz ist ebenfalls sehr schön und gut auf die alpine Höhenlage eingerichtet. Das es hier nicht nur im australischen Winter empfindlich kalt werden kann, sind Aufenthaltsraum und camp kitchen mit zwei riesigen Feuerstellen ausgestattet. Das ist nicht nur urig, sondern man trifft dort auch andere Camper. In diesem Fall sind das quasi Kollegen von Sonka: 2 Lehrer aus Melbourne, die hier eine Freizeit mit Schülern verbringen und eine pensionierte Lehrerin aus Frankreich.
Man muss auch die Umgebung des Campinplatzes nicht verlassen, um Echidnas (jetzt konnte ich die Schnabeligel endlich auch fotografieren), Wallabies, Wombats und tasmanische Teufel zu beobachten. Die süßen Teufel allerdings nur in einer Zuchtstation Devils@Cradle. Hier versucht man durch Forschung und Zucht deren Aussterben zu verhindern. Nachdem die Teufel-Population seit ca. 15 Jahren durch einen tödlichen Gesichtskrebs in einigen Gebieten um dramatische 98% dezimiert wurde, fangen auch zunehmend eingeschleppte Füchse an deren ökologische Nische zu besetzen. Wir hoffen, dass die Forscher und Tierschützer Erfolg haben werden!

   

 Noch mehr als die vielen Tiere hat uns hier allerdings die wunderschöne Natur beeindruckt. Zum Glück hatten wir auch herrlichstes Wanderwetter, dass mich kurzzeitig zu dem spontanen Gedanken verleitet hat, 6 Tage lang dem Overland track zu folgen. Am Ende hat die Vernunft gesiegt und ich habe nur jeweils Anfang und Ende des Weges, also ca. ¼ der gesamten 80 km in Tagestouren erwandert.
So führt der erste Teil über einen steilen Kletterstieg auf Marions Lookout und über eine herrliche alpine Hochebene (auf der es sogar noch ein paar Schneefelder gab).


Es gibt aber auch viele sehr familienfreundliche Wanderungen (z. B. rund um den Dove Lake), die nicht weniger schön aber weniger anstrengend sind.



Etwas befremdlich fanden wir zunächst, dass ein kilometerlanger boardwalk (hier eine Art Holzsteg) angelegt wurde. Aber so lässt sich offensichtlich gut verhindern, dass Wanderer vom Weg abschweifen und großflächig die Vegetation platt treten. 
Da wir wissen, dass wir den Nationalpark noch einmal an dessen Südseite besuchen werden, fällt der Abschied leicht und wir fahren weiter gen Westen mit dem Ziel Strahan.

Wegen der kurvenreichen Straßen schaffen wir den Weg nicht an einem Tag und machen Rast in Rosebery. Da wir keine große Lust auf eine lange Stellplatzsuche haben, finden wir den etwas entlegenen aber hübschen Rastplatz bei den Montezuma Falls erst am nächsten Morgen und weil von dort die Wanderung zu den Wasserfällen drei Stunden dauert, die Mehrheit der Familie ohnehin genug vom Wandern hat und wir ja auch in den Westen wollen, sehen wir diese Fälle nur auf den Fotos der Tourismus-Broschüren.

Unser letztes Hindernis auf dem Weg nach Strahan ist Zeehan, ein ebenfalls ganz nett herausgeputztes kleines Städchen, dessen angeblich sehr lohnendes Pionier-Museum von uns ebenfalls mit Missachtung gestraft wird.


Lediglich einen kleinen Imbiss gönnen wir uns und erfahren dabei von einem Minenbauingenieur, dass hier auch heute noch im großen Stil vor allem Kupfer, Gold, Silber, Nickel und Eisen abgebaut werden. Inzwischen bekommt man den Abbau anscheinen ohne größere Umweltschäden hin, die Schäden aus der Anfangszeit des Bergbaus vor mehr als 100 Jahren sieht man aber an einigen Stellen noch immer.

So oder so ähnlich entstand wohl auch eine lokale Umweltbewegung, die vor fast genau 30 Jahren in der Nähe von Strahan einen zweiten großen Staudamm am Gordon River verhindert hat. Die Geschichte hat dann auch Strahan von einem Fischereihafen und Minendorf in ein hübsches Städchen verwandelt, in dem das Geld vor allem mit Tourismus verdient wird – wir sind stolz mithelfen zu dürfen.
Besagten Gordon River kann man auch mit einer Bootstour befahren. Standesgemäß zeigt sich uns der Regenwald auch bei durchgehend grauem Himmel und -  Regen!
Die Tour ist trotzdem ziemlich schön und interessant, wir sehen sogar zwei tiger snakes (die sind höllisch giftig).

Teil der Tour ist auch eine Fahrt durch den Macquarie Harbour. Der Hafen ist  flächenmäßig ca. 6 mal so groß wie der Hafen von Sydney (also 5 mal größer als riesig) und hat nur eine 80 Meter breite natürliche Hafeneinfahrt. Direkt dahinter wird das Meer richtig rauh, kein Wunder, die Wellen entlang der „roaring forties“ nehmen ja praktisch auch seit Argentinien Schwung. Entweder weil sie so tückisch für Segelschiffe ist oder Endstation für viele englische Sträflinge war, nennt man die Hafeneinfahrt Hell’s Gate.


Heutzutage hat die schmale Öffnung auch ihre Vorteile: Das Wasser in der Bucht ist herrlich warm – das gibt es auf Tasmanien sonst gar nicht. Das Wasser ist auch ziemlich braun, ob das an den Baumölen oder am Eisenerz liegt konnten wir aber nicht eindeutig klären.

Um die Tourismus-Industrie noch weiter zu fördern haben wir auch noch eine Fahrt mit der historischen West Coast Wilderness Railway unternommen. Wieder geht’s durch den Regenwald (der Bau der spektakulären Strecke muss ein unglaublicher Kraftakt gewesen sein) in ganz liebevoll restaurierten Wagons hinter einer schmucken Dampflok.

  

Zum letzten Mal tasmanische Natur erleben wir wieder im Cradle Mountain / Lake St. Clair National Park, diesmal an dessen Südseite. Die Verständigung ist hier gar kein Problem: Der asiatische Restaurantchef hat 30 Jahre in der Schweiz gelebt und der Ranger Frank gibt die Touren-Tips in breitem Badisch.
Das Wetter ist zum ersten Mal richtig schlecht, es fällt viel Regen und ist kalt. Ein Tag Gammeln kommt uns aber ganz gelegen und die Standheizung unsere Wohnmobils macht es uns beim Lesen, Yatzee- und Karten-Spielen auch erträglich warm.


Am nächsten Tag gibt es aber keine Ausreden mehr und obwohl das Thermometer die 6°C-Marke noch nicht erreicht hat und die Bergspitzen seit der Nacht weiß tragen, lassen wir uns vom kleinen Fährboot zum Echo-Point am Lake St. Clair bringen, von dem aus wir zum Visitor Center zurückwandern. Die etwas mehr als 10 km lange Strecke führt uns durch praktisch unberührten Regenwald (das Wetter passt und ist tatsächlich auch gar nicht mehr so schlecht) und beschert Sonka und Mathis nasse Füße und mir viele grüne Fotos.



Freitag, 14. Dezember 2012

Tassie I

Wir haben in der letzten Zeit einige emails erhalten, in denen unsere gesunkene blog-Frequenz bemerkt wurde. Vermutlich schreiben wir derzeit eher etwas längere posts und veröffentlichen diese seltener, manchmal schreiben wir an mehreren Tagen immer mal wieder Erlebnisse auf, um diese selbst nicht zu vergessen, veröffentlichen diese aber erst viel später.
Eine weitere plausible Erklärung ist aber, dass auf unserer Reise die Zivilisationsdichte immer weiter abgenommen hat - zugängliche, erschwingliche und stabile WiFi-Zugänge werden deshalb seltener. Das haben wir schon im Südwesten des Festlands bemerkt, aber auf Tasmanien wird es überdeutlich. Manchmal wird uns auch einfach der Batteriestrom knapp.

Aber wenn der nächste WiFi-Zugang und die nächste Steckdose meilenweit entfernt sind und weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist, ist es oft gerade besonders schön.
Diese Erfahrung können wir auf Tasmanien besonders häufig machen, hier leben genau so viele Menschen wie in Hannover, auf einer Fläche die so groß ist wie ganz Niedersachsen plus Sachsen-Anhalt.

Tassie, wie Tasmanien liebevoll genannt wird, ist wirklich etwas besonders. Das merken wir schon am Flughafen, wo uns die Mitarbeiterin von Apollo mit unserem Wohnmobil abholt und – als hätte sie alle Zeit der Welt – schwärmend die Rolle der Tourist-Info gleich mit übernimmt. Das Wohnmobil ist ziemlich groß (eigentlich für 6 Personen) und kommt wie ein Laster um die Ecke.
Wir haben richtig gutes Wetter und starten mit dem Mount Wellington, von dem aus sonst keine gute Sicht ist, weil er häufig in Wolken liegt. Bei uns war das anders. So einen guten Überblick über Hobart und die gesamte Bucht ist schon ein Gekurve mit dem Laster wert.


Harald hat sich wacker geschlagen beim Kurbeln. Da es da oben so ein wenig an den Brocken im Harz erinnert, kommen auch gleich noch ein paar Heimatgefühle auf.

Als nächstes fahren wir nach Bruny Island, das ist sozusagen die Insel vor der Insel. Bruny Island besteht eigentlich aus zwei Halbinseln, die nur von einer schmalen Landzunge „The Neck“ getrennt werden. Dort kann man auch eine eine Kolonie von Zwergpinguinen beobachten. Die jungen Pinguine warten nach dem Sonnenuntergang vor den Nisthöhlen darauf, dass die Eltern vom Fischen zurückkommen und quasi das Abendessen mitbringen, das ist echt süß.


Die Strände auf Bruny sind natürlich auch wieder sehr schön, mindestens an einem von denen (Two Tree Point) hat auch schon James Cook geankert und die Wasservorräte der Endeavour aufgefüllt. Für die Bedürfnisse der heutigen Reisenden kümmert sich dort inzwischen eine Berry Farm, die leckeres Eis und selbstgemachte Kuchen serviert.

Wir haben schließlich aber einen weniger geschichtsträchtigen Ruheplatz gesucht und mit dem Quiet Corner an der Adventure Bay auch einen gefunden.


Am Two Tree Point hat Mathis Stunden im und am Meer zugebracht und ich ca. 3 Minuten. Jetzt sind wir beide ziemlich verschnupft.  Das Wasser ist schon ziemlich kalt, aber auch nicht kälter als die Ostsee im Frühsommer ;-)

Am nächsten Tag haben wir eine Bootstour mit einem Schnellboot um den Nationalpark auf Bruny Island herum gemacht. Leider war es äußerst windig. Das führte dazu, dass ein Waldbrand (durch Wegwerfen einer Fackel entfacht) wieder außer Kontrolle geriet und der Rauch bis aufs Meer hinausgetragen wurde. So konnten wir gar nicht überall hinfahren. Trotzdem haben wir die Blowholes und auch ein paar Seelöwen gesehen.


Die Fahrt war wegen der Wellen für uns auch ganz toll, weil ziemlich schaukelig, aber doch ziemlich kalt. Jedenfalls hat es bei Harald zu einer Erkältung geführt, die ihn 2 Tage flachlegte – die meiste Zeit jedenfalls.

Trotz Erkältung hat er sich am nächsten Tag durch Port Arthur geschleppt und – wie immer fleißig – fotografiert. Damit es nicht zu anstrengend wird, haben wir den Besuch am folgenden Tag fortgesetzt. Dieses Museumsstädtchen, das einmal eine berüchtigte Strafkolonie war, ist ohnehin zu groß, um an einem Tag vollständig besichtigt zu werden.


Anschließend wollten wir gleich direkt in den Frecynet Nationalpark fahren, doch auf dem Weg liegt ein schöner (freier) Campingplatz, an dem wir einen Tag Erholung am Strand genießen.  Beim Feuerchen machen am Abend lebt Harald dann wieder auf.


Im Frecynet Nationalpark haben wir die obligatorische Wanderung zur Wineglass Bay gemacht. Angeblich sei das einer der 10 schönsten Strände der Welt, aber wie so oft sind auch hier Vorschusslorbeeren gefährlich: Wir waren fast schon enttäuscht, weil er eigentlich nicht besser war als manch andere Strände auf unserer Reise und die Berühmtheit auch zu immerhin ca. 40 anderen Strandbesuchern (auf allerdings ca. 2 km Länge) geführt hat. Das Wallaby hat sich zumindest weniger an den anderen Besuchern gestört als wir.


Etwas einsamer hatten wir es dafür am nächsten Tag, als wir in der Coles Bay mit dem Seekayak rumgepaddelt sind. Mathis und ich in einem Boot, Harald im Einer allein. Obwohl wenig Wind angesagt war, hatten wir bei einigen Querungen ziemlichen Gegenwind, was das ganze spannend hielt. Gut, dass Mathis so toll mitgepaddelt hat! Die einsamen Buchten und die Picknickinsel, die wir ganz für uns hatten, haben die Mühe aber gelohnt.


Alltag gibt es natürlich auch in unserem Nomadenleben. Wir haben in unserem großen Campingmobil einen großen Tisch, an dem Mathis sehr gut Schule machen kann, wir kommen deshalb auch recht gut mit unserem Stoffplan voran.
Während ich z. B. auf unserem Campingplatz in Coles Bay das Abendessen gekocht habe, war Mathis auf dem Spielplatz und hat ein neunjähriges australisches Mädchen kennengelernt: Sequoya. Zuerst sind die beiden nur hintereinander hergerutscht und haben sich dann doch tatsächlich miteinander unterhalten – richtig lange - und auch für den nächsten Tag wieder verabredet. Beim Tausch der e-mail-Adressen haben wir ein bisschen geholfen. 

Auf dem Weg nach Launceston, haben wir das erste Mal die Mitte Tasmaniens gesehen- mit vielen Schafen, alten Häusern und einer bezaubernden Landschaft.
Launceston liegt im Norden Tasmaniens und ist ein nettes Städtchen am Tarra River. Die größte Attraktion ist eine Schlucht, durch die der Fluss fließt und inmitten hoher Felsen ein Basin bildet, in dem man schwimmen kann, was wir natürlich auch getan haben. Daneben ist ein Schwimmbecken, damit die Kinder und Nichtschwimmer auch etwas haben.


  

Weil dieser Fluss so schön ist und auch viele Weinkellereien beherbergt, fahren wir noch weiter an ihm lang, bevor es weiter zum Cradle Mountain und in den Wilden Westen von Tasmanien geht...