Wir haben in der letzten Zeit einige emails erhalten, in denen unsere gesunkene blog-Frequenz bemerkt wurde. Vermutlich schreiben wir derzeit eher etwas längere posts und veröffentlichen diese seltener, manchmal schreiben wir an mehreren Tagen immer mal wieder Erlebnisse auf, um diese selbst nicht zu vergessen, veröffentlichen diese aber erst viel später.
Eine weitere plausible Erklärung ist aber, dass auf unserer Reise die Zivilisationsdichte immer weiter abgenommen hat - zugängliche, erschwingliche und stabile WiFi-Zugänge werden deshalb seltener. Das haben wir schon im Südwesten des Festlands bemerkt, aber auf Tasmanien wird es überdeutlich. Manchmal wird uns auch einfach der Batteriestrom knapp.
Aber wenn der nächste WiFi-Zugang und die nächste Steckdose meilenweit entfernt sind und weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist, ist es oft gerade besonders schön.
Diese Erfahrung können wir auf Tasmanien besonders häufig machen, hier leben genau so viele Menschen wie in Hannover, auf einer Fläche die so groß ist wie ganz Niedersachsen plus Sachsen-Anhalt.
Tassie, wie Tasmanien liebevoll genannt wird, ist wirklich etwas besonders. Das merken wir schon am Flughafen, wo uns die Mitarbeiterin von Apollo mit unserem Wohnmobil abholt und – als hätte sie alle Zeit der Welt – schwärmend die Rolle der Tourist-Info gleich mit übernimmt. Das Wohnmobil ist ziemlich groß (eigentlich für 6 Personen) und kommt wie ein Laster um die Ecke.
Wir haben richtig gutes Wetter und starten mit dem Mount Wellington, von dem aus sonst keine gute Sicht ist, weil er häufig in Wolken liegt. Bei uns war das anders. So einen guten Überblick über Hobart und die gesamte Bucht ist schon ein Gekurve mit dem Laster wert.
Harald hat sich wacker geschlagen beim Kurbeln. Da es da oben so ein wenig an den Brocken im Harz erinnert, kommen auch gleich noch ein paar Heimatgefühle auf.
Als nächstes fahren wir nach Bruny Island, das ist sozusagen die Insel vor der Insel. Bruny Island besteht eigentlich aus zwei Halbinseln, die nur von einer schmalen Landzunge „The Neck“ getrennt werden. Dort kann man auch eine eine Kolonie von Zwergpinguinen beobachten. Die jungen Pinguine warten nach dem Sonnenuntergang vor den Nisthöhlen darauf, dass die Eltern vom Fischen zurückkommen und quasi das Abendessen mitbringen, das ist echt süß.
Die Strände auf Bruny sind natürlich auch wieder sehr schön, mindestens an einem von denen (Two Tree Point) hat auch schon James Cook geankert und die Wasservorräte der Endeavour aufgefüllt. Für die Bedürfnisse der heutigen Reisenden kümmert sich dort inzwischen eine Berry Farm, die leckeres Eis und selbstgemachte Kuchen serviert.
Wir haben schließlich aber einen weniger geschichtsträchtigen Ruheplatz gesucht und mit dem Quiet Corner an der Adventure Bay auch einen gefunden.
Am Two Tree Point hat Mathis Stunden im und am Meer zugebracht und ich ca. 3 Minuten. Jetzt sind wir beide ziemlich verschnupft. Das Wasser ist schon ziemlich kalt, aber auch nicht kälter als die Ostsee im Frühsommer ;-)
Am nächsten Tag haben wir eine Bootstour mit einem Schnellboot um den Nationalpark auf Bruny Island herum gemacht. Leider war es äußerst windig. Das führte dazu, dass ein Waldbrand (durch Wegwerfen einer Fackel entfacht) wieder außer Kontrolle geriet und der Rauch bis aufs Meer hinausgetragen wurde. So konnten wir gar nicht überall hinfahren. Trotzdem haben wir die Blowholes und auch ein paar Seelöwen gesehen.
Die Fahrt war wegen der Wellen für uns auch ganz toll, weil ziemlich schaukelig, aber doch ziemlich kalt. Jedenfalls hat es bei Harald zu einer Erkältung geführt, die ihn 2 Tage flachlegte – die meiste Zeit jedenfalls.
Trotz Erkältung hat er sich am nächsten Tag durch Port Arthur geschleppt und – wie immer fleißig – fotografiert. Damit es nicht zu anstrengend wird, haben wir den Besuch am folgenden Tag fortgesetzt. Dieses Museumsstädtchen, das einmal eine berüchtigte Strafkolonie war, ist ohnehin zu groß, um an einem Tag vollständig besichtigt zu werden.
Anschließend wollten wir gleich direkt in den Frecynet Nationalpark fahren, doch auf dem Weg liegt ein schöner (freier) Campingplatz, an dem wir einen Tag Erholung am Strand genießen. Beim Feuerchen machen am Abend lebt Harald dann wieder auf.
Im Frecynet Nationalpark haben wir die obligatorische Wanderung zur Wineglass Bay gemacht. Angeblich sei das einer der 10 schönsten Strände der Welt, aber wie so oft sind auch hier Vorschusslorbeeren gefährlich: Wir waren fast schon enttäuscht, weil er eigentlich nicht besser war als manch andere Strände auf unserer Reise und die Berühmtheit auch zu immerhin ca. 40 anderen Strandbesuchern (auf allerdings ca. 2 km Länge) geführt hat. Das Wallaby hat sich zumindest weniger an den anderen Besuchern gestört als wir.
Etwas einsamer hatten wir es dafür am nächsten Tag, als wir in der Coles Bay mit dem Seekayak rumgepaddelt sind. Mathis und ich in einem Boot, Harald im Einer allein. Obwohl wenig Wind angesagt war, hatten wir bei einigen Querungen ziemlichen Gegenwind, was das ganze spannend hielt. Gut, dass Mathis so toll mitgepaddelt hat! Die einsamen Buchten und die Picknickinsel, die wir ganz für uns hatten, haben die Mühe aber gelohnt.
Alltag gibt es natürlich auch in unserem Nomadenleben. Wir haben in unserem großen Campingmobil einen großen Tisch, an dem Mathis sehr gut Schule machen kann, wir kommen deshalb auch recht gut mit unserem Stoffplan voran.
Während ich z. B. auf unserem Campingplatz in Coles Bay das Abendessen gekocht habe, war Mathis auf dem Spielplatz und hat ein neunjähriges australisches Mädchen kennengelernt: Sequoya. Zuerst sind die beiden nur hintereinander hergerutscht und haben sich dann doch tatsächlich miteinander unterhalten – richtig lange - und auch für den nächsten Tag wieder verabredet. Beim Tausch der e-mail-Adressen haben wir ein bisschen geholfen.
Auf dem Weg nach Launceston, haben wir das erste Mal die Mitte Tasmaniens gesehen- mit vielen Schafen, alten Häusern und einer bezaubernden Landschaft.
Launceston liegt im Norden Tasmaniens und ist ein nettes Städtchen am Tarra River. Die größte Attraktion ist eine Schlucht, durch die der Fluss fließt und inmitten hoher Felsen ein Basin bildet, in dem man schwimmen kann, was wir natürlich auch getan haben. Daneben ist ein Schwimmbecken, damit die Kinder und Nichtschwimmer auch etwas haben.
Weil dieser Fluss so schön ist und auch viele Weinkellereien beherbergt, fahren wir noch weiter an ihm lang, bevor es weiter zum Cradle Mountain und in den Wilden Westen von Tasmanien geht...